Die Frage, warum Passagier- und handwerkliche Fischerboote in Gambia kein klares und weit durchgesetztes Identifikationssystem haben, steht seit Jahren auf der nationalen Agenda. Im Gegensatz zu Kraftfahrzeugen, die Zulassungsnummern tragen müssen, um sie zu identifizieren und zurückverfolgen zu lassen, sind viele Boote, die in gambischen Gewässern operieren, weiterhin schwer einzeln zu identifizieren.
Und dabei ist der Fluss Gambia für die Wirtschaft und das Leben im Land wichtiger als jede Straße. Ein Großteil aller Menschen und Waren wird auf eben diesem Fluss transportiert, das Gambia ja an seiner breitesten Stelle gerade einmal 50 km breit ist und der Fluss, Resultat aus der Kolonialzeit und der Aufteilung des Kontinents unter den europäischen Staaten, genau in der Mitte der Grenzen liegt. Umgeben ist der Wald zusätzlich an vielen Stellen von dichtem Mangrovenwäldern. Warum dann noch Straßen?
Im Zentrum des Problems der Kennzeichnung steht eine Frage der Verantwortung, die die Gambia Maritime Agency (GMA), und das für Fischerei zuständige Ministerium betrifft. Aber die größere Frage ist nicht einfach, welche Institution ein Nummernschild ausstellen sollte. Es geht darum, ob jedes Schiff, das in gambischen Gewässern operiert, eine klare Identität, einen Registrierungsnachweis und Mindestanforderungen an die Sicherheit haben sollte.
Der Bedarf an einem solchen System wird dringlicher, wenn man die Risiken betrachtet, denen Menschen ausgesetzt sind, die von den Wasserwegen des Landes abhängig sind. Boote kollidieren mit anderen Schiffen, darunter große Industrietrawler. Brände treten auf See auf. Fischernetze werden zerstört. Menschen fallen über Bord. Und in manchen Fällen erfüllen grundlegende Sicherheitsausrüstungen wie Schwimmwesten möglicherweise nicht die erforderlichen Standards. Wenn ein Schiff nicht ordnungsgemäß registriert oder identifiziert ist, wird es schwieriger, es nach einem Unfall oder einem anderen Vorfall zurückzuverfolgen.
Für handwerkliche Fischerboote hat die Registrierung auch Auswirkungen über die Sicherheit hinaus. Sie kann den Behörden dabei helfen, festzustellen, wie viele Schiffe im Einsatz sind, wo sie stationiert sind, wie viel Fischerei stattfindet und welche Gebiete genutzt werden. Eine genaue Registrierung kann den Behörden daher Informationen liefern, die zur Verwaltung der Fischereien des Landes und zum Schutz der Meeresressourcen notwendig sind.
Das Problem ist nicht unbedingt das Fehlen eines rechtlichen Rahmens. Nach dem National Fisheries Act und dessen Vorschriften hat der Direktor für Fischerei Befugnisse zur Registrierung kommerzieller Fischereikanus und zur Ausstellung von Ausbeutungslizenzen. Die Gebühren umfassen 750 Schilling für motorisierte Boote und 500 Shilling für nicht motorisierte Boote. Die Rolle des Fischereiministeriums ist mit dem legalen Zugang zur Fischerei und der Sammlung von Informationen über Fischereiaktivitäten und Fänge verbunden.
Die GMA hingegen trägt eine umfassendere Verantwortung für die maritime Sicherheit. Zu ihren Aufgaben gehören Wassersicherheit, Seetüchtigkeitsprüfungen von Schiffen und Sicherheitslizenzierungen. Von handwerklichen Bootsbesitzern wird erwartet, dass sie an den Anlegestellen grundlegende Sicherheitsanforderungen erfüllen. Die Herausforderung scheint darin zu bestehen, wie diese verschiedenen Verantwortlichkeiten in der Praxis zusammenarbeiten. Jüngste gemeinsame Initiativen haben darauf abgezielt, die Registrierung und Zählung von Kanus an verschiedenen Anlegestellen zu verbessern, doch bestehen Lücken bei der Umsetzung und Durchsetzung.
Der Unterschied zwischen Gambia und dem benachbarten Senegal wird häufig von Personen aus der Fischerei angesprochen. Ein lokaler Fischer verwies auf das Registrierungssystem Senegals und sagte: „Nach senegalesischer Fischereigesetzgebung müssen handwerkliche Fischerboote in offiziellen lokalen und nationalen Registern registriert werden.“ Senegal hat außerdem groß angelegte Registrierungskampagnen durchgeführt, bei denen an Tausende von kleinen Fischerbooten, sogenannten Pirogogen, physische Identifikationsschilder angebracht wurden.
Der Zweck ist nicht nur, Booten Nummern zu geben. Ein Registrierungssystem ermöglicht es den Behörden, ein auf See operierendes Schiff mit einem identifisierbaren Eigentümer, einer Fischereigemeinschaft und einem offiziellen Register zu verknüpfen. Das kann besonders wichtig werden, wenn ein Boot in einen Unfall verwickelt ist, in eine gesperrte Fischereizone eintritt oder illegale Aktivitäten verdächtigt wird. Für das Fischereimanagement können die Informationen den Behörden auch helfen, den Fischereiaufwand einzuschätzen und den Druck auf die Fischbestände zu verstehen. Ohne verlässliche Informationen über Anzahl und Aktivitäten der Schiffe wird die Verwaltung einer begrenzten Meeresressource schwieriger.
Eine der Herausforderungen bei den Registrierungsbemühungen ist die Einstellung einiger handwerklicher Fischer gegenüber Lizenzierung und Registrierung. Für einige Bootsbesitzer wird die Registrierung in erster Linie als weitere Kosten- und Verwaltungspflicht betrachtet und nicht als Sicherheitsmaßnahme.
Rohey Samba Jallow, der Berater für GMA on Communication, betonte die Bedeutung von Kommunikation, um Bootsbesitzern den Zweck der Registrierung und Sicherheitsvorschriften zu vermitteln. Sie hat auch auf die strategische Bedeutung der Wasserwege des Landes hingewiesen. Das Meer ist nicht nur eine Nahrungs- und Einkommensquelle. Es ist auch Teil des nationalen Territoriums des Landes und verbindet Gambia mit den Nachbarländern.
Jallow sagte, dass maritime Gebiete anfällig für grenzüberschreitende Verbrechen sein können, darunter illegale Fischerei, Drogenhandel und Piraterie. GMA-Direktorin Frau Olimatou Danso hat die Bootseigner ebenfalls aufgefordert, ihre Schiffe zu registrieren, und betont, dass die Registrierung die Sicherheit verbessern soll und nicht die Fischer bestrafen. Die Herausforderung besteht daher nicht einfach darin, Vorschriften zu schaffen. Es geht darum, sicherzustellen, dass Bootsbesitzer sie verstehen, sie einhalten und einen praktischen Nutzen daraus sehen.
Für Fischergemeinschaften ist die Frage der Identifikation eng damit verbunden, was passiert, wenn auf See etwas schiefgeht.
Omar Gaye von einem örtlichen Fischereiverband argumentierte, dass registrierte Boote leichter nachzuverfolgen seien, wenn ein Vorfall eintritt.
„Wenn Boote Nummernschilder haben und im System registriert sind, egal in welche Richtung sie fahren, oder ein Problem auf See, wird es leicht sein, diese Probleme zu verfolgen und zu lösen. Länder wie Senegal schreiben Kennzeichen für alle Boote vor; dasselbe System sollte in Gambia eingeführt werden, um zukünftige Tragödien zu vermeiden“, sagte er.
Das Argument ist besonders relevant in Fällen von Kollisionen zwischen handwerklichen Fischerbooten und Industrietrawlern. Fischer haben wiederholt Bedenken hinsichtlich Begegnungen mit größeren Schiffen geäußert und erklärt, dass solche Vorfälle Fischernetze zerstören und Leben gefährden können. Ein klares Identifikationssystem könnte es erleichtern, festzustellen, welche Schiffe in einen Vorfall verwickelt waren, und den Behörden Informationen für Nachuntersuchungen liefern.
Die Registrierung kann ein Schiff identifizieren, aber allein die Identifikation rettet keine Person in Not. Es muss mit Kommunikationssystemen, Rettungsausrüstung, Patrouillen, geschultem Personal und zuverlässigen Notfalldiensten zusammenarbeiten.
Als Reaktion auf Bedenken hinsichtlich der Marinereaktion sagte Herr Jobe von der gambischen Marine, dass die Marineoperationen festgelegten Verfahren folgen und eine ordnungsgemäße Kommandogenehmigung erfordern. Er erklärte, dass Personal und Schiffe ausreichend ausgerüstet sein müssen, bevor sie auf das Wasser gehen. Das Meer, so sagte er, stelle besondere Sicherheitsherausforderungen dar, darunter Piraterie und Schmuggel. Marinepatrouillen sind ebenfalls teuer, da Betriebskosten für Treibstoff, Schiffe und Personal verbunden sind.
Jobe erklärte weiter, dass die Marineprotokolle es Offizieren nicht erlauben, zivile Fischereifahrzeuge für routinemäßige Polizeiaufgaben zu betreten, aus operativen und ethischen Gründen. Er sagte, die Gespräche würden fortgesetzt, wie die von Fischereigemeinden aufgeworfenen Sicherheitsbedenken angegangen und der Schutz der Infrastruktur verbessert werden könne.
Für die Fischergemeinschaften läuft die Debatte über die Registrierung letztlich auf Rechenschaftspflicht hinaus. Ein nummeriertes und registriertes Boot ist leichter zu erkennen. Ein identifiziertes Boot kann mit einem Besitzer in Verbindung gebracht werden. Ein Eigentümer kann für die Einhaltung der Sicherheitsanforderungen und die Einhaltung der Fischereivorschriften verantwortlich gemacht werden.
Für die Behörden kann ein funktionierendes Registrierungssystem Informationen über die Anzahl der im Land operierenden Boote und das Ausmaß der Fischereiaktivitäten liefern. Für Fischer könnte es bei Unfällen einen besseren Schutz bieten und es erleichtern, Schiffe zu identifizieren, die in Streitigkeiten oder Kollisionen verwickelt sind. Aber die Registrierung muss auch durch eine wirksame Durchsetzung unterstützt werden.
Gaye äußerte zudem Bedenken hinsichtlich der wirtschaftlichen Struktur des Fischereisektors, einschließlich der Gebühren für ausländische und nationale Handelsschiffe. Er argumentierte, dass die derzeitigen Preisregelungen Gambia nicht ausreichend Vorteile bringen.
Die wirtschaftliche Bedeutung der handwerklichen Fischerei ist erheblich, da laut Gaye mehr als 3.000 Menschen direkt oder indirekt von diesem Sektor für ihren Lebensunterhalt abhängig sind. Für diese Gemeinden würde der Verlust der Fischereiinfrastruktur oder ein anhaltender Rückgang der Fischereiaktivitäten die Einkommen weit über die Fischer hinaus beeinflussen. Die Boote transportieren daher mehr als nur Fischer und ihren Fang. Sie sichern Lebensgrundlagen, Ernährungssicherheit und einen wichtigen Teil der Küstenwirtschaft des Landes.
Die Antwort liegt zum Teil in der Aufteilung der Verantwortlichkeiten zwischen See- und Fischereibehörden, aber auch in den Schwierigkeiten, bestehende Vorschriften in die Praxis umzusetzen. Gambia hat bereits Gesetze zu Fischereilizenzen und maritimer Sicherheit. Die Behörden haben auch Maßnahmen ergriffen, um Schiffe zu registrieren und zu zählen. Eine Herausforderung bleibt die Sicherstellung, dass das System umfassend, koordiniert und konsequent durchgesetzt wird.
Für Fischer, die ihr Arbeitsleben auf See verbringen, geht es nicht nur darum, ob ein Boot eine Nummer bemalt oder an der Seite befestigt hat. Es geht darum, ob diese Nummer das Schiff identifizieren, es mit einem Eigentümer verbinden, den Behörden genaue Informationen liefern und helfen kann, die Menschen zu schützen, die vom Meer abhängig sind.
Während die Debatte andauert, ist die Nachfrage der Fischergemeinschaften eindeutig: Ein Schiff, das in gambischen Gewässern operiert, sollte identifiziert, reguliert und von einem System unterstützt werden, das reagieren kann, wenn etwas schiefgeht.
Joachim Abel