In Abene, im Nordwesten der Casamance am Atlantik gelegen, fällt einem beim Strandspaziergang schwarzer Sand auf. Die Farbe kommt vom Silizium. Der Siliziumabbau in der Casamance hat in den letzten Jahren an Aufmerksamkeit gewonnen, insbesondere wegen des zunehmenden Interesses chinesischer Firmen. Was aber vor Ort nicht unumstritten ist.
Am Fischereihafen fällt einem ein großer Hallenkomplex auf. Hier wollten vor Jahren Chinesen groß ins Fischereigeschäft einsteigen. Als dann die Chinesen den Sand sahen, wollten sie lieber in den Siliziumabbau investieren. Dies führte aber zu großen Protesten in der Bevölkerung, was wohl einmalig dazu führte, dass sich die chinesischen Investoren gänzlich von diesem Ort zurückzogen. Geblieben sind große, von einer zwei Meter hohen Mauer umgebende Hallen, die seither ungenutzt sind. Nur ein Sicherheitsdienst schaut manchmal nach dem Rechten. Im Juni bin ich wieder vor Ort. Bekannte vor Ort wollen mir dann den Kontakt zu dem Sicherheitsdienst herstellen, so dass ich dann eventuell für ein paar CEFA das Grundstück besichtigen kann.
Die Casamance ist reich an Silizium, das in verschiedenen Industrien, einschließlich der Solarenergie, benötigt wird. Chinesische Unternehmen haben in den letzten Jahren verstärkt in den Abbau und die Verarbeitung von Silizium investiert, um die Nachfrage nach erneuerbaren Energien zu decken. Vorteile haben nur die Chinesen: Der Abbau hat negative Auswirkungen auf die Umwelt, einschließlich der Zerstörung von Lebensräumen und der Verschmutzung von Wasserressourcen. Es gibt oft soziale Konflikte zwischen der lokalen Bevölkerung und den Unternehmen (siehe Abene), insbesondere wenn die Anwohner nicht ausreichend in den Entscheidungsprozess einbezogen werden oder ihre Landrechte verletzt werden.
Die senegalesische Regierung steht vor der Herausforderung, den Abbau zu regulieren und sicherzustellen, dass er nachhaltig erfolgt. aber weiterhin gibt es Bedenken hinsichtlich der Transparenz und der fairen Verteilung der Gewinne aus dem Siliziumabbau. Es bleibt vor allem kein „Mehrwert“ für die Bevölkerung. Die Chinesen kommen mit eigenen Geräten und eigenem Personal. Selbst das Essen für die chinesischen Arbeiter wird von China eingeflogen. Einen Kontakt zwischen Chinesen und Senegalesen gibt es nicht. Dies ist von der chinesischen Regierung nicht gewünscht.
Zum Glück gibt es in Abene nun weder einen industriellen Fischfang inclusive Verarbeitung noch ein Siliziumbergbau. So gibt es weiterhin zahlreiche Europäer, die hier nicht nur Urlaub machen, sondern sich hier niederlassen. Mit eigenem Häuschen und großem Garten, einem verträglichem Klima und gesundem Essen, dass man sich nur noch vom Baum pflücken oder aus dem Meer fischen muss.
Joachim Abel