Am 9. Dezember 2025 verhaftete die Senegal-Gendarmerie einen Malier in der Region Tambacounda an der Grenze zu Mali, weil er Terrorismus verherrlichte. Eine forensische Analyse seiner digitalen Aktivitäten ergab, dass er eine WhatsApp-Gruppe verwaltete, die dazu diente, Narrative zu verbreiten, die gewalttätige extremistische Aktionen im Sahelgebiet rechtfertigten.
Einen Monat zuvor hatten Ermittler ein Netzwerk von sieben WhatsApp-Gruppen aufgedeckt, die dschihadistische Inhalte teilten, darunter Videos, die Angriffe im Sahel verherrlichten. Ein Malier, der eine zentrale Rolle bei der Verbreitung dieses Materials spielte, wurde anschließend verhaftet.
Im Jahr 2021 wurden vier Personen – darunter ein senegalesischer Staatsangehöriger – in Kidira nahe der malischen Grenze festgenommen, weil sie extremistische Ideologien förderten und digitale Verbindungen zu Katiba Macina, einer Fraktion von Jama’at Nusrat al-Islam wal-Muslimin (JNIM), hatten.
Diese Vorfälle deuten nicht auf aktive operative Zellen in Senegal hin, verdeutlichen aber die zunehmende Verbreitung dschihadistischer Propaganda, insbesondere in den südöstlichen Regionen des Landes, die an Mali grenzen. Unbehandelt könnte dieser Trend zur Entstehung lokaler Unterstützungsnetzwerke für gewalttätige extremistische Gruppen beitragen.
Seit über einem Jahrzehnt gibt es Bedenken hinsichtlich ruhender Terrorzellen in Senegal. Gerichtsverfahren im Jahr 2018 zeigten Pläne, Verbindungen zu Boko Haram aufzubauen und möglicherweise lokale Netzwerke zu bilden.
Ein Bericht des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen (UN) aus dem Jahr 2021 stellte fest, dass JNIM-Elemente – darunter Katiba Macina, unterstützt von radikalen islamistischen Influencern – ihre Reichweite auf Teile Nordost-, Ost- und Zentralsenegals ausgeweitet hatten.
Der Einsatz digitaler Werkzeuge durch Extremisten ist gut belegt. Seit den frühen 2000er Jahren verließen sich Gruppen wie al-Qaida auf Websites und Online-Foren, um Propaganda zu verbreiten. Seit den 2010er Jahren hat sich die Strategie auf soziale Medien und verschlüsselte Messaging-Plattformen wie WhatsApp und Telegram verlagert. Diese werden verwendet, um Inhalte zu verbreiten, empfängliche Zielgruppen zu identifizieren und diskrete Kommunikation mit Sympathisanten aufrechtzuerhalten.
Die Medienstrategie von JNIM folgt diesem Ansatz. Über ihr Medienunternehmen al-Zallaqa nutzt die Gruppe verschlüsselte Plattformen, um Angriffsbehauptungen, Videos und Dschihadaufrufe zu verbreiten und dabei traditionelle Überwachungsmechanismen zu umgehen.
In Senegal gibt es derzeit keine Belege für groß angelegte Rekrutierungen. Vielmehr deutet der Trend auf frühe Bemühungen hin, Ideologie zu verbreiten und Verbindungen herzustellen, die sich zu strukturierteren Formen der Bindung entwickeln könnten.
Als Reaktion darauf hat Senegal einen multidimensionalen Ansatz gewählt, der Prävention, Gemeinschaftsbeteiligung und verbesserte Intelligenz kombiniert.
Bemühungen, das Schulumfeld durch Modernisierung des Koranunterrichts und den Ausbau von Aufklärungsprogrammen zu strukturieren und zu überwachen, waren entscheidend. Diese Initiativen beruhen teilweise auf der Beteiligung von Sufi-Bruderschaften wie den Tijaniyya, Mouridiyya und Qadiriyya, deren sozialer Einfluss zentral ist, um den Zusammenhalt zu fördern und diesen Narrativen durch religiöse Führung entgegenzuwirken.
Gleichzeitig stärkt Senegal seine Cyber- und Nachrichtendienstfähigkeiten. Die Nationale Cybersicherheitsstrategie (2022) zentralisiert Cyberüberwachung, schützt kritische Infrastruktur und fördert die Zusammenarbeit mit dem Privatsektor und internationalen Partnern, um schädliche Online-Inhalte zu erkennen und darauf zu reagieren. Diese Bemühungen werden durch den interministeriellen Interventions- und Koordinationsrahmen für Anti-Terrorismus-Operationen ergänzt, der die Koordination zwischen Regierungsbehörden verbessert.
Auch die operativen Maßnahmen wurden verstärkt. Rapid Action Groups for Surveillance and Intervention, die seit 2022 entlang der östlichen Grenzgebiete wie Kidira und Saraya stationiert sind, bekämpfen Terrorismus und grenzüberschreitende Kriminalität. Gemeinsame Patrouillen mit Mali und Mauretanien unterstützen die Grenzsicherung und begrenzen die Infiltration bewaffneter Gruppen.
Internationale Partnerschaften sind für diese Bemühungen von entscheidender Bedeutung. Der Kapazitätsaufbau mit Organisationen wie dem UN-Büro für Drogen und Kriminalität hat die nationale Expertise in Cybersicherheit und Cyberkriminalitätsprävention gestärkt. Im Jahr 2025 arbeiteten Senegals Nationale Agentur für Informationssystemsicherheit und ihr ivorisches Pendant beim Austausch automatisierter Erkennungsinstrumente und grenzüberschreitender Alarmmechanismen zusammen.
Doch während diese Sicherheitsmaßnahmen die Infiltration von Gruppen verhindern können, besteht das Risiko eines dschihadistischen Einflusses im Osten Senegals weiterhin bestehen. Anhaltende strukturelle Verwundbarkeiten deuten darauf hin, dass nicht-sicherheitsbezogene Reaktionen verbessert werden müssen.
Ein territorial gezielter Ansatz ist erforderlich, der die digitale Dimension besser in Präventionsstrategien integriert. Dazu gehört die Mobilisierung lokaler Akteure – traditionelle Behörden, Gemeindeleiter, Pädagogen und zivilgesellschaftliche Organisationen –, um das Bewusstsein zu fördern und Gegennarrative zu entwickeln, die auf lokale Kontexte zugeschnitten sind. Digitale Plattformen können diese Bemühungen verstärken und jüngere Zielgruppen sowie die breitere Gemeinschaft erreichen.
Digitale Radikalisierung ist kein marginales Phänomen, sondern ein früher Hinweis auf eine sich entwickelnde Bedrohung. Eine frühzeitige und koordinierte Bewältigung könnte verhindern, dass sie zu festgefahrenen Sicherheitsproblemen werden.
Joachim Abel