WAEMU beschleunigt Finanzierungsprüfung für regionale Großprojekte im Schienenverkehr auch im Senegal

Die Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion (WAEMU) verfolgt eine wichtige Initiative zur Entwicklung nachhaltiger Finanzierungslösungen für den Schienenverkehr innerhalb der Gemeinschaft.

Im Rahmen ihres Haushaltsplans 2026 hat die WAEMU-Kommission ein Verfahren zur Beauftragung eines Beratungsunternehmens eingeleitet, das eine detaillierte Studie zu Finanzierungsmechanismen für regionale Schienenprojekte durchführen soll.

Ziel ist es, zwei Optionen zu identifizieren:

> die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten für den Bau von Schieneninfrastruktur zu ermitteln;

> eine Strategie für die Finanzierung des Betriebs und der langfristigen Entwicklung vorzuschlagen.

Zwei wichtige Korridore im Fokus der Studie

Besonderes Augenmerk liegt auf zwei strategischen Schienenkorridoren.

> Die regionale Bahnstrecke verbindet: 🇨🇮 Abidjan → 🇧🇫 Ouagadougou → 🇳🇪 Niamey → 🇧🇯 Cotonou → 🇹🇬 Lomé.

Dieser Korridor ist besonders wichtig für die Stärkung des Handels, die Verbesserung der Verbindungen zwischen den Hauptstädten und die Erleichterung des Personen- und Güterverkehrs zwischen mehreren Mitgliedstaaten der WAEMU und ihren Nachbarländern.

> Der Korridor Dakar–Bamako über die Achse: 🇸🇳 Dakar → Tambacounda → 🇲🇱 Bamako → Sikasso → Ouangolodougou, einschließlich der Nebenstrecken: Tambacounda–Buba–Bissau 🇬🇼 und Sikasso–Bobo-Dioulasso 🇧🇫.

Weitere Bahnkorridore innerhalb der WAEMU-Region könnten ebenfalls in die Studie einbezogen werden.

Die Finanzierungsfrage wird entscheidend sein

Die Studie sollte die verschiedenen Mechanismen untersuchen, die zur Finanzierung des Baus, der Modernisierung und des Betriebs der Infrastruktur eingesetzt werden können: öffentliche Mittel, zinsgünstige Darlehen, Unterstützung durch technische und finanzielle Partner, öffentlich-private Partnerschaften und andere Instrumente der Kapitalmobilisierung.

Wo steht der Prozess?

Die von der WAEMU veröffentlichte Interessenbekundungsfrist endete am 12. August 2026.
Im nächsten Schritt wird das Beratungsunternehmen gemäß den Vergabeverfahren der Kommission ausgewählt.

Nach der Auswahl des Beraters soll die Studie innerhalb von vier Monaten durchgeführt werden, zuzüglich der Zeit für die Genehmigung der einzelnen Ergebnisse.

Über die Eisenbahn hinaus steht die gesamte regionale Integration auf dem Spiel. Der Aufbau eines leistungsstarken regionalen Schienennetzes könnte dazu beitragen, Logistikkosten zu senken, den Handel zu erleichtern, Märkte enger zusammenzubringen und die wirtschaftliche Komplementarität zwischen den westafrikanischen Ländern zu stärken.

Die größte Herausforderung besteht daher darin, diese Eisenbahnambitionen in finanziell tragfähige und wirtschaftlich nachhaltige Projekte umzusetzen, die den wachsenden Mobilitäts- und Handelsbedarf der Region decken können.

Infos zur Eisenbahnlinie Dakar-Bamako, die es ja schon einmal gab:

Geschichte der Eisenbahn Dakar–Bamako ist eng mit der französischen Eroberung Westafrikas, der wirtschaftlichen Ausbeutung der Kolonie, der Entstehung von Thiès als „Eisenbahnerstadt“, der afrikanischen Arbeiterbewegung und schließlich mit der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung von Senegal und Mali verbunden.

Dabei ist eine kleine begriffliche Besonderheit wichtig: Die historische Bezeichnung „Dakar–Niger“ bedeutet nicht, dass die Strecke in den Staat Niger führte. „Niger“ bezeichnet hier den Niger-Fluss. Die eigentliche Strecke führte von Dakar über Thiès und Kayes nach Bamako und weiter bis Koulikoro am Niger.

Die Idee entstand schon Ende des 19. Jahrhunderts

Der französische General Joseph Gallieni spielte eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des Projekts. Die französische Kolonialverwaltung wollte das französisch kontrollierte Gebiet im Inneren Westafrikas – insbesondere den damaligen Französischen Sudan – mit der Atlantikküste verbinden.

Das Motiv war keineswegs nur, Menschen schneller von A nach B zu bringen.

Die Eisenbahn sollte vor allem:

  • französische Truppen schnell ins Landesinnere bringen,
  • die koloniale Verwaltung und Kontrolle erleichtern,
  • landwirtschaftliche und mineralische Rohstoffe zur Küste transportieren,
  • den Handel über Dakar ermöglichen,
  • und die französische Position gegenüber anderen europäischen Kolonialmächten stärken.

Gallienis Grundidee war, die beiden großen Flüsse Senegal und Niger als Verkehrsachsen zu nutzen und die nicht schiffbaren beziehungsweise schwierig zu überwindenden Abschnitte mit Eisenbahn zu überbrücken. Eine zeitgenössische historische Darstellung beschreibt genau dieses Konzept: zunächst Nutzung von Senegal und Niger, anschließend Verbindung durch die Eisenbahn.

Das französische Parlament beschloss bereits 1880 den Bau mehrerer Eisenbahnlinien in diesem Gebiet. Dazu gehörten die Verbindungen Dakar–Saint-Louis, Thiès–Médine/Kayes und Kayes–Niger.

Der erste Abschnitt war noch gar nicht Dakar–Bamako

Um die Geschichte zu verstehen, muss man drei Eisenbahnprojekte auseinanderhalten.

Die Strecke Dakar–Saint-Louis wurde zwischen 1882 und 1885 gebaut und am 6. Juli 1885 eröffnet. Sie war die erste große Eisenbahnlinie Französisch-Westafrikas.

Sie verband Dakar mit Saint-Louis und erschloss gleichzeitig das wichtige Erdnussanbaugebiet.

Dakar entwickelte sich dadurch immer stärker zum eigentlichen Seehafen für den französischen Kolonialhandel.

Der zweite, viel schwierigere Abschnitt lag weiter östlich. Von Kayes am Senegal-Fluss sollte die Eisenbahn über Kita nach Bamako und schließlich nach Koulikoro am Niger führen. Der Bau begann 1881. Die Arbeiten wurden wesentlich vom französischen Militär durchgeführt und waren ausgesprochen schwierig.

Der erste Zug erreichte Bamako 1904, und am 20. Dezember 1904 wurde Koulikoro erreicht. Eine Weltbank-Dokumentation nennt den 13. Mai 1904 als Ankunft des ersten Zuges in Bamako.

Damit war eine bemerkenswerte Transportkette entstanden, aber eben noch keine durchgehende Eisenbahn Dakar–Bamako.

Der Abschnitt Kayes–Koulikoro war extrem teuer und schwierig. Es gab Probleme mit Gelände, Klima, Krankheiten, Logistik und Arbeitskräften. Bereits eine britische Darstellung von 1911 kritisierte, dass der Bau über Jahrzehnte hinweg von Fehlplanung und politischen Kurswechseln in Paris geprägt gewesen sei. Die Strecke wurde zwar schon 1880 beschlossen, kam aber zunächst nur sehr langsam voran.

Auch die französische Kolonialverwaltung musste ihre ursprünglichen Vorstellungen mehrfach ändern.

Die entscheidende Lücke: Thiès–Kayes

Das eigentliche Problem lag nun zwischen Thiès im Senegal und Kayes im heutigen Mali. Erst dieser Abschnitt würde aus den einzelnen Eisenbahn- und Flusssystemen eine durchgehende Verbindung von Dakar bis zum Niger machen. Der Bau begann schließlich 1907.
Die Bahn musste durch das trockene Sahelgebiet geführt werden, über große Entfernungen ohne vorhandene Infrastruktur. Einer der bedeutenden Bauwerke war die Brücke über den Falémé bei Kidira an der heutigen Grenze zwischen Senegal und Mali.

Der Abschnitt Thiès–Kayes wurde schließlich 1923 fertiggestellt. Am 5. August 1923 erfolgte die entscheidende Verbindung der beiden bisher getrennten Eisenbahnabschnitte. Am 1. Januar 1924 wurde die durchgehende Verbindung offiziell in Betrieb genommen. Damit existierte die historische Dakar–Niger-Bahn.

Die Gesamtstrecke bis Koulikoro betrug ungefähr 1.287 Kilometer, davon rund 641 Kilometer auf dem Gebiet des heutigen Mali.

Die Eisenbahn wurde häufig als Symbol des technischen Fortschritts dargestellt. Tatsächlich war sie zunächst vor allem ein Instrument der kolonialen Wirtschaft. Sie sollte Rohstoffe und landwirtschaftliche Produkte aus dem Landesinneren möglichst billig zum Hafen transportieren.

Eine Stadt profitiert von dieser Entwicklung besonders stark: Thiès.

Die Stadt liegt ungefähr 70 Kilometer östlich von Dakar und wurde zum wichtigsten Eisenbahnknotenpunkt des französischen Westafrika. Hier befanden sich Werkstätten, Verwaltung und zahlreiche Einrichtungen der Bahn. Thiès wurde dadurch zu einer Stadt, deren soziale und wirtschaftliche Identität eng mit der Eisenbahn verbunden war. Die Eisenbahn schuf dort eine neue afrikanische Arbeiterschicht: Mechaniker, Lokführer, Heizer, Gleisarbeiter, Werkstattarbeiter, Verwaltungsangestellte usw.

Die Eisenbahn wurde zum Schmelztiegel zwischen Senegal und Mali

Die Bahn verband nicht nur zwei Kolonialgebiete miteinander. Sie brachte Menschen in Bewegung. Senegalesen arbeiteten in Mali, Malier in Senegal. Händler, Arbeiter, Familien und Migranten bewegten sich entlang der Strecke.
Die Weltbank beschreibt die Eisenbahn später ausdrücklich als einen wichtigen Faktor der Integration und des Austauschs zwischen Senegal und Mali. Als Beispiele nennt sie sogar die Entstehung von Vierteln in Thiès und Bamako, die auf diese Wanderungsbewegungen zurückgingen. Die koloniale Infrastruktur wurde damit paradoxerweise zu einem Instrument, das langfristig zur Verflechtung der beiden Gesellschaften beitrug.

1947: der große Eisenbahnerstreik

Im Oktober 1947 begannen die afrikanischen Eisenbahner einen Streik, der etwa fünfeinhalb Monate dauern sollte. Es ging nicht einfach um höhere Löhne. Die afrikanischen Eisenbahner forderten vor allem Gleichbehandlung mit den europäischen Beschäftigten.

Denn es gab erhebliche Unterschiede bei:

  • Löhnen,
  • Sozialleistungen,
  • Familienzulagen,
  • Urlaub,
  • Altersversorgung,
  • Arbeitsbedingungen.

Der Streik legte große Teile des Eisenbahnverkehrs in Französisch-Westafrika lahm. Rund 20.000 Arbeiter und ihre Familien waren betroffen.

Und damit wurde aus einem Arbeitskampf zunehmend ein antikolonialer Kampf.

Die Unabhängigkeit von Senegal und Mali veränderte auch das Eisenbahnwesen

Senegal und Mali bildeten 1960  zunächst gemeinsam die Mali-Föderation, die allerdings nur kurze Zeit existierte. Nach deren Zerfall wurde auch die Eisenbahnverwaltung geteilt.

Es entstanden:

  • die Régie des chemins de fer du Mali (RCFM)
  • und die entsprechende senegalesische Eisenbahnverwaltung.

Die beiden Staaten mussten anschließend trotzdem weiterhin gemeinsam mit einer Eisenbahn umgehen, die technisch und wirtschaftlich eigentlich als ein zusammenhängendes System gebaut worden war.

Eine Weltbank-Dokumentation nennt den 29. November 1960 als Zeitpunkt der Entstehung der malischen Eisenbahnverwaltung nach dem Auseinanderbrechen der Föderation.

Die Verbindung Dakar–Bamako blieb für Mali außerordentlich wichtig. Mali ist ein Binnenstaat. Für einen erheblichen Teil des internationalen Handels war und ist der Zugang zu einem Hafen entscheidend. Dakar besitzt gegenüber anderen westafrikanischen Häfen einen wichtigen Vorteil: Es liegt relativ günstig für den Handel mit Mali. Die Eisenbahn konnte deshalb Waren zwischen dem Atlantikhafen und dem malischen Binnenland transportieren.

Aber nach der Unabhängigkeit entstanden zunehmend Probleme:

  • mangelnde Investitionen,
  • veraltetes rollendes Material,
  • schlechte Gleise,
  • organisatorische Probleme,
  • politische Spannungen,
  • Konkurrenz durch den Straßenverkehr.

Der große Fehler der 1990er/2000er: Die Privatisierung führte zum Ende der Eisenbahnlinie

In den 1990er Jahren wurde die Bahn zunehmend als ineffizientes Staatsunternehmen betrachtet. Unter dem Einfluss internationaler Finanzinstitutionen kam es schließlich zu einer Privatisierung beziehungsweise Konzessionierung. 2003 übernahmen Senegal und Mali die internationale Strecke beziehungsweise deren Betrieb durch die private Gesellschaft Transrail. Die Weltbank dokumentierte damals eine 25-jährige Konzession, bei der Transrail für Betrieb, Unterhalt und notwendige Modernisierung verantwortlich sein sollte.

Das Ergebnis war allerdings enttäuschend. Die erhoffte grundlegende Modernisierung blieb weitgehend aus. Im Laufe der 2000er Jahre verschlechterte sich der Zustand der Strecke zunehmend.

Besonders problematisch waren: die Gleise, viele Abschnitte waren extrem alt,  die Lokomotiven, es fehlte an ausreichend modernem und zuverlässigem Material. die Fahrzeiten, der Zug wurde gegenüber dem Straßenverkehr immer weniger konkurrenzfähig (zum Teil fuhren die Züge wegen der schlechten Strecke nur noch mit 20 km/h), die Grenzabfertigung, der internationale Verkehr zwischen zwei Staaten bedeutete zusätzliche administrative Probleme.

Die Weltbank dokumentierte bereits im Zusammenhang mit der damaligen Konzession die erheblichen strukturellen Probleme des Sektors und die Umstrukturierung der beiden nationalen Eisenbahngesellschaften.

Die Bahn, die einst Dakar und Bamako miteinander verbunden hatte und über Jahrzehnte eine wichtige Lebensader war, verlor schließlich ihren internationalen Personenverkehr.

Nach den verfügbaren historischen Angaben gibt es seit 2010 keinen regulären internationalen Personenverkehr Dakar–Bamako mehr. Heute existiert die berühmte Verbindung nur noch in Fragmenten.

Neue Verbindungen

Senegal hat in den vergangenen Jahren begonnen, massiv in Eisenbahninfrastruktur zu investieren. Allerdings steht dabei inzwischen vor allem die neue Standardspurstrecke Dakar–Diamniadio–AIBD und deren Ausbau im Vordergrund, nicht die alte Dakar–Bamako-Meterbahn.

Gleichzeitig gibt es die am Anfang beschriebene Bestrebungen, die alte internationale Verbindung wieder neu aufzubauen. Auf malischer Seite wurde beispielsweise der Personenverkehr Kayes–Bamako 2023 wieder aufgenommen.

Joachim Abel

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