Senegals ehemaliger Präsident Macky Sall kehrte am Freitag zum ersten Mal seit seinem Ausscheiden aus dem Amt im April 2024 nach Hause zurück, in einem Besuch, der mit seiner Kandidatur zum nächsten UN-Generalsekretär verbunden war.
Sall hat am Freitagnachmittag seinen Nachfolger, Präsident Bassirou Diomaye Faye, getroffen, bevor er Dakar unmittelbar danach verlässt. Sall wohnt heute in Marokko.
Der kurze Besuch war Teil seiner Konsultationen und Besuche, die er im Zusammenhang mit seiner Kandidatur unternommen hat um die nötige Unterstützung für den UN-Posten zu bekommen.
Sall, der Senegal von 2012 bis 2024 bleibt eine spaltende Figur in Senegal, nachdem er versucht hatte, die Präsidentschaftswahl 2024 zu verschieben, eine Initiative, die tödliche Proteste auslöste und schließlich vom Verfassungsrat aufgehoben wurde.
Der senegalische Rechnungshof erklärte außerdem, dass Salls Regierung wichtige Wirtschaftsdaten, darunter Schulden- und Defizitzahlen, falsch gemeldet habe, was zu Unstimmigkeiten führte, die den Internationalen Währungsfonds dazu veranlassten, seine Kredite auszusetzen. Sall bestreitet jegliches Fehlverhalten. Senegales Ex-Präsident Sall könnte fürsein Fehlverhalten sogar noch angeklagt werden.
Katastrophale Erfolgsbilanz
Vereinigungen, die die Familien von Menschen vertreten, die während Salls Herrschaft bei Oppositionsprotesten ums Leben kamen, äußerten ihren Ärger über sein Treffen mit Faye und forderten den Präsidenten auf, sein Versprechen zur Gerechtigkeit einzuhalten.
Eine allgemeine Amnestie, die in den letzten Wochen von Salls Regierung verabschiedet wurde, schloss Strafverfolgungen für Vergehen sowohl durch Sicherheitskräfte als auch von Demonstranten während gewaltsamer Demonstrationen zwischen 2021 und 2024 aus. Im vergangenen Jahr hoben die Gesetzgeber die Amnestie für die schwerwiegendsten Verbrechen teilweise auf.
Seydi Gassama, der senegalesische Direktor der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, die Familien der Verstorbenen bei rechtlichen Schritten unterstützt, sagte, Salls Menschenrechtsbilanz sollte ihn aus dem Rennen um den Spitzenposten der UN ausschließen.
„Mehr als 67 Menschen wurden getötet“, sagte er gegenüber RFI. „Nie in der Geschichte Senegals – nicht einmal während der Ära des [ersten Präsidenten Léopold Sédar] Senghor in den 1960er Jahren – gab es eine solche Repression. Niemand sollte einen Mann mit einer so katastrophalen Bilanz unterstützen.“
UN-Ambitionen
Sall ist einer von bisher fünf Kandidaten für das UN-Posten, neben der ehemaligen Vizepräsidentin Costa Ricas Rebeca Grynspan, Chiles ehemaliger Präsidentin Michelle Bachelet, dem argentinischen Diplomaten Rafael Grossi und Maria Fernanda Espinosa, einer Diplomatin aus Ecuador.
Die UN wird in diesem Jahr ihren 10. Generalsekretär für eine fünfjährige Amtszeit wählen, die am 1. Januar 2027 beginnt.
Sollte er gewählt werden, würde Sall der dritte afrikanische Generalsekretär nach Boutros Boutros-Ghali aus Ägypten und Kofi Annan aus Ghana werden.
Sall wurde von Burundi, dem derzeitigen Vorsitzenden der Afrikanischen Union, nominiert, konnte jedoch weder die Unterstützung seines eigenen Landes noch des Kontinentalblocks gewinnen.
Im März lehnten etwa 20 AU-Mitgliedstaaten, darunter Senegal, seine Kandidatur ab.
Joachim Abel