Slow Food-Gärten stärken Biodiversität und sichern existenzsichernde Lebensgrundlagen

Zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt stellt Slow Food neue Daten vor, die zeigen, wie wirksam einfache Maßnahmen wie Gemeinschaftsgärten für Ernährungssicherheit und existenzsichernde Lebensgrundlagen sein können.

Lokales Handeln für globale Herausforderungen

Anlässlich des Internationalen Tags der biologischen Vielfalt rückt Slow Food Schul- und Gemeinschaftsgärten als konkrete lokale Antwort auf den Verlust der biologischen Vielfalt, die Klimakrise und Fragen der Ernährungssicherheit in den Mittelpunkt. Im Einklang mit dem Motto „lokal handeln für globale Wirkung“ betont die Organisation, dass der Schutz der biologischen Vielfalt in unseren Lebensmittelsystemen ein Schlüssel zu widerstandsfähigen Ökosystemen und tragfähigen Lebensgrundlagen ist. Heute entfallen 66 % der weltweiten Produktion auf nur neun Kulturpflanzen (FAO ), während die industrielle Landwirtschaft den Verlust der biologischen Vielfalt weiter vorantreibt, Ökosysteme schwächt und die Anpassungsfähigkeit von Gemeinschaften einschränkt. Der IPBES-IPCC-Bericht von 2021 macht deutlich: Der Verlust der biologischen Vielfalt und die Klimakrise sind eng miteinander verknüpft. Wenn Ökosysteme geschädigt werden, verlieren sie ihre Fähigkeit, CO2 zu speichern und das Klima zu regulieren – zugleich beschleunigt der Klimawandel den weiteren Biodiversitätsverlust. Um beiden Krisen zu begegnen, braucht es systemische Ansätze wie die Agrarökologie, die die Bodengesundheit verbessert, Bestäuber schützt, Wasser spart und lokale Wirtschaftskreisläufe stärkt.

Slow Food Gärten in Afrika: Lokales Handeln in der Praxis

Das Programm Slow Food Gärten in Afrika veranschaulicht diesen Ansatz.
Seit 2011 hat das Programm 3.490 Schul- und Gemeinschaftsgärten in 38 Ländern unterstützt, an denen mehr als 500.000 Menschen beteiligt sind. Von Beginn an stand dabei die Wertschätzung lokaler Kulturpflanzen und traditionellen Wissens im Mittelpunkt. Hinzu kommen Modellgärten, die benachbarte Gemeinschaften und Produzent*innen inspirieren, sowie die enge Einbindung lokaler Agronom*innen und Erzeuger*innen. Im Jahr 2024 hatten 97 % der beteiligten Haushalte einen besseren Zugang zu frischen und gesunden Lebensmitteln, während 89 % angaben, dass sich ihre Einkommenssituation oder finanzielle Stabilität verbessert hat.
„Schul- und Gemeinschaftsgärten hatten für mich immer eine besondere Bedeutung“, sagt Edward Mukiibi, Präsident von Slow Food . „Als Kind empfand ich die Arbeit im Schulgarten noch als Strafe. Diese Erfahrung hat mich geprägt. Heute haben wir mit dem Projekt Slow Food-Gärten dieses Bild grundlegend verändert. Gärten sind heute Orte der Würde und der Perspektive – sie schaffen Nahrung, Einkommen, Stabilität und Wissen. Zugleich sind sie Räume des Austauschs zwischen den Generationen, in denen Wissen über biologische Vielfalt geteilt und weitergegeben wird. Sie zeigen Kindern wie Erwachsenen, dass Sorge für den Boden immer auch Sorge für unsere Zukunft ist – und dass Biodiversität kein abstrakter Begriff bleibt, sondern etwas, das wir Tag für Tag pflegen und erhalten müssen.“

Biodiversität durch Alltagspraktiken schützen

Im Jahr 2024 wurden in den Gärten mehr als 5.000 Kulturpflanzen angebaut, überwiegend einheimische Arten und Sorten – darunter auch solche, die vom Aussterben bedroht sind. Die Gemeinschaften entscheiden selbst, was sie anbauen, orientiert an ihren Bedürfnissen und ihrem Wissen, und setzen auf Methoden wie Kompostierung, Fruchtfolge und natürliche Schädlingsbekämpfung – Praktiken, die die Bodenfruchtbarkeit stärken, Wasser sparen und die Klimaresilienz erhöhen.

Wie David Ndungu, Schüler an der Keriko Secondary School, erklärt: „Mulchen hilft, den Bedarf an Dünger zu reduzieren und Feuchtigkeit zu speichern; deshalb müssen wir die Setzlinge nur zweimal pro Woche gießen. Das Gemüse, das wir anbauen, ist frisch, gesund und Teil unseres täglichen Essens.“

Lernen, Würde und gemeinschaftliche Wirkung

Über die Produktion hinaus sind Gärten Lernorte, in denen Schüler und Gemeinschaften mit Nahrung, Ökosystemen und lokaler Kultur in Kontakt kommen.

Für Mercy Chepkemboi, Koordinatorin der Slow Food-Gärten in Kenia, ist die Wirkung klar erkennbar: „Die Schulbesuche haben zugenommen, und die Schüler*innen können sich heute abwechslungsreicher ernähren. An der Keriko Senior School hat der Garten zudem Unterstützung aus dem lokalen Umfeld gewonnen, sodass wir eine kleine Baumschule aufbauen konnten, die auch Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Menschen schafft.“
Die Wirkung reicht über die Schulen hinaus. Im Jahr 2024 haben 77 % der teilnehmenden Familien begonnen, eigene Gärten zu Hause anzulegen. Das ist besonders bedeutsam, denn mehr als eine Milliarde Menschen in Afrika konnten sich 2024 (FAO, FAO State of Food Security and Nutrition in the World 2025) keine gesunde Ernährung leisten.

Ein Aufruf zu systemischer Unterstützung

Zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt fordert Slow Food mehr Investitionen in gemeinschaftsgetragene agrarökologische Ernährungssysteme als Antwort auf den Verlust der biologischen Vielfalt, die Klimakrise und die wachsenden Herausforderungen der Ernährungssicherheit. Wer lokale Lebensmittelsysteme stärkt, stärkt auch Resilienz – und erkennt Gemeinschaften als zentrale Akteur*innen des Wandels an.

Diese Vision wird Terra Madre Salone del Gusto 2026 (Turin, 24.–27. September 2026) begleiten, wo die Biodiversität im Mittelpunkt stehen wird: Es kommen globale Lebensmittelgemeinschaften zusammen, um Wissen und Lösungen für Lebensmittel zu teilen, die gut, sauber und fair sind.

Biodiversität, Klima und die Zukunft der Nahrung
Angesichts der Klima- und Umweltkrise ist biologische Vielfalt eine Grundvoraussetzung für resiliente Ernährungssysteme. Je vielfältiger diese Systeme sind, desto besser können sie ökologische und wirtschaftliche Krisen abfedern. Wie Mukiibi abschließend betont: „Lebensmittel sind niemals nur eine Ware. Sie sind immer auch ein landwirtschaftlicher, ökologischer, kultureller und politischer Akt. Mit jeder unserer Entscheidungen unterstützen wir entweder ein System, das auf Ausbeutung und Vereinheitlichung beruht, oder eines, das Vielfalt, Fürsorge und Würde ins Zentrum stellt.“

Hier finden Sie Daten zum Projekt Slow Food Gärten in Afrika.

Alle erwähnten Daten beziehen sich auf 2024 und wurden im Rahmen einer quantitativen und qualitativen Monitoringstudie erhoben.

Foto: „Die Schüler bringen dieses Wissen nach Hause“, sagt Ken Mwirigi, Farmmanager in Keriko. „Die Familien übernehmen agrarökologische Praktiken und bereichern ihre Ernährung mit gesunden, lokal angebauten Lebensmitteln.“

Slow Food ist eine weltweite Bewegung, die lokale Gruppen und Aktivisten um eine gemeinsame Vision vereint: allen Menschen Zugang zu Lebensmitteln zu ermöglichen, die gut für sie selbst, gut für die Produzenten und gut für den Planeten sind. Gegründet wurde Slow Food 1986 in Italien als Antwort auf die zunehmende Industrialisierung der Ernährung und den Aufstieg der Fast-Food-Kultur. Seitdem hat sich die Bewegung auf Millionen von Unterstützern in 160 Ländern weltweit ausgeweitet. Aktivitäten und Veranstaltungen organisiert, die in Convivien/Kapiteln und Gemeinschaften zusammenarbeiten.

PM Slow Food Deutschland e.V.

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