Das Goethe-Institut in Dakar hat eine lange, aber in mehreren Phasen verlaufende Geschichte, die eng mit der deutschen Kulturpolitik in Westafrika verbunden ist.
Das Institut ist seit 1978 im Senegal aktiv und gehört damit zu den früheren Standorten des Goethe-Instituts in Subsahara-Afrika. Es entstand in einer Zeit, in der Deutschland seine kulturelle Präsenz in Afrika gezielt ausbaute, insbesondere durch Sprachförderung und kulturelle Kooperationen. Von Anfang an lag der Fokus auf: Deutschunterricht, kulturellem Austausch (Literatur, Film, Kunst) und Zusammenarbeit mit lokalen Partnern. Dakar entwickelte sich dabei schnell zu einem wichtigen regionalen Knotenpunkt, weil die Stadt als kulturelle Metropole Westafrikas gilt.
In den folgenden Jahrzehnten wurde das Institut zu einem festen Bestandteil der deutsch-senegalesischen Beziehungen. Es betreut heute ein großes Netzwerk: über 200 Schulen im Land und mehrere sogenannte PASCH-Schulen (Deutschförderung weltweit).
Inhaltlich hat sich die Arbeit erweitert – neben Sprache auch Themen wie: Dekolonialisierung, Migration, Nachhaltigkeit und Museums- und Erinnerungskultur
2009 wurde das Institut im Zuge eines Afrika-Ausbauprogramms neu eröffnet bzw. gestärkt. Zeitweise gab es, auch durch Vorgaben der deutschen Außenpolitik, strukturelle Veränderungen oder Reduzierungen wie bei vielen anderen Auslandsinstituten auch.
Der entscheidende Schritt in eine neue Zeit beginnt 2022 mit der Grundsteinlegung für ein neues, eigenes Gebäude durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier
Architekt und Pritzker-Preisträger Francis Kéré entwarf ein Gebäude, das die Verbindung von traditioneller westafrikanischer Bauweise und moderner Architektur und die Nutzung lokaler Materialien (z. B. Lehm, Laterit) herstellt und nun einen repräsentativen Ort der Begegnung um einen symbolischen Mittelpunkt, einen Baobab-Baum, bildet. Die Architektur fügt sich harmonisch in ihre Umgebung ein – mit schattigen Fassaden, miteinander verbundenen Räumen und natürlicher Belüftung. Nur wenige tragende Elemente wurden aus Stahlbeton gebaut.
Am 16. Und 17. April wurde das Gebäude nun im Beisein vieler Gäste eröffnet
Es ist das erste eigene Gebäude des Goethe-Instituts weltweit, es ist ein architektonisches und kulturpolitisches Signal und setzt einen stärkeren Fokus auf offene Begegnungsräume, Partizipation und lokale Einbindung.
Das Institut positioniert sich damit noch deutlicher als Plattform für den Austausch zwischen Afrika und Europa und gibt ein kulturelles Labor für aktuelle Themen (z. B. urbane Entwicklung, Nachhaltigkeit)
Heute gilt der Standort Dakar als einer der wichtigsten des Goethe-Instituts in Westafrika
Das Goethe-Institut in Dakar ist heute weit mehr als nur ein Sprachinstitut. Es ist tief in die lokale Kulturszene eingebunden und arbeitet oft eher wie ein Kultur-Hub oder eine Netzwerkplattform. Hier sind einige der wichtigsten Programme, Kooperationen und seine Rolle vor Ort:
- Kunst, Ausstellungen & urbane Kultur
Das Institut arbeitet intensiv mit der lebendigen Kunstszene Dakars zusammen. Besonders wichtig:
- Kooperationen mit der Dak’Art
→ eine der bedeutendsten Kunstbiennalen Afrikas - Förderung von:
- zeitgenössischer afrikanischer Kunst
- Fotografie und Street Art
- Performance- und Installationskunst
Dabei geht es oft nicht nur um Präsentation, sondern um gemeinsame Produktion.
- Film & Medien
Film ist ein zentraler Schwerpunkt, auch wegen Senegals Filmtradition:
- Zusammenarbeit mit lokalen Festivals und Kinos
- Unterstützung junger Filmemacher:innen (Workshops, Koproduktionen)
- Retrospektiven zu afrikanischen und deutschen Filmen
Ein Bezugspunkt ist die Tradition von Ousmane Sembène, der als „Vater des afrikanischen Kinos“ gilt.
- Musik & Performing Arts
- Förderung von:
- Hip-Hop- und Urban-Music-Szenen
- Jazz- und experimenteller Musik
- Tanz- und Theaterprojekten
- Residenzprogramme für Künstler:innen aus Deutschland und Westafrika
Dakar ist hier besonders spannend, weil sich traditionelle Rhythmen mit globalen Trends mischen.
- Gesellschaftspolitische Themen
In den letzten Jahren hat sich der Fokus deutlich erweitert:
- Dekolonialisierung & Erinnerungskultur
- Migration und Identität
- Klimawandel & Nachhaltigkeit
- Stadtentwicklung in afrikanischen Metropolen
Diese Themen werden oft in Diskussionsreihen, Labs und künstlerischen Projekten behandelt — nicht nur akademisch, sondern praktisch und kreativ.
Immer noch die Basis: Sprach- und Bildungsprogramme
Neben Kultur bleibt Sprache ein Kernbereich:
- Deutschkurse für:
- Studierende
- Berufstätige
- Menschen mit Migrationsinteresse
- Unterstützung von Schulen (PASCH-Initiative)
- Fortbildungen für Lehrer:innen
Interessant: Deutsch wird oft aus praktischen Gründen gelernt (Studium, Migration), aber auch als Zugang zu Kultur und Austausch.
Dakar selbst (Dakar) ist:
- eine der wichtigsten Kulturmetropolen Westafrikas
- historisch ein Zentrum für Literatur, Kunst und Musik
- ein Knotenpunkt zwischen Afrika, Europa und der Diaspora
Das Goethe-Institut profitiert davon — und prägt die Szene gleichzeitig mit.
Das Goethe-Institut Dakar hat sich von einem klassischen Kulturinstitut zu einem hochvernetzten, experimentellen Kulturakteur entwickelt. Es arbeitet heute weniger „für“ Senegal, sondern mit senegalesischen Partnern auf Augenhöhe.
Fotos (Joachim Abel):
1 und 2: Das neue Gebäude des Goethe-Instituts in Dakar
3 Die Gäste wurden auch über die Baumaterialen und die Entstehung des Gebäudes Informiert
4 Ein umfangreiches Kulturprogramm, Getränke und Fingerfoods rundeten die Eröffnungsfeier ab
5 Ein Herzstück des Goethe-Instituts ist die umfangreiche Bücherei
Joachim Abel