Nach dem aberkannten Afrika-Cup-Titel erhebt der Senegal Korruptionsvorwürfe gegen den afrikanischen Fußballverband. Caf-Präsident Patrice Motsepe verteidigt sich und verweist auf ein lange bestehendes Problem. Aber so ganz Unrecht der Senegal mit seinen Vorwürfen wohl nicht.
Zu undurchsichtig die Rolle des Schiedsrichters, der unbestätigten Vorwürfen zufolge bestochen worden sein soll. Zu undurchsichtig das Verhalten seiner VAR-Kollegen, zu undurchsichtig zahlreiche Vorkommnisse am Rande des Spiels durch Marokkanische Offizielle und z.B. den Balljungen und den Sicherheitskräften. Mehrere senegalesische Fans wurden zudem nach dem Spiel zu langen Haftstrafen verurteilt. Im Fußball eher ungewöhnlich, wenn man bedenkt, dass sie nur das Spielfeld gestürmt haben. Außerdem starb ein Fußballfan aus dem Senegal durch Sicherheitskräfte.
Marokko war haushoher Favorit in diesem Endspiel um den Afrika-Cup. Als sich dann herausstellte, das das Team aus dem Senegal besser war, geriet das Spiel aus den Fugen. Unbestritten ist, dass der CAF lieber Marokko als Sieger gesehen hätte, zumal Marokko zusammen mit Spanien und Portugal Gastgeber der Weltmeisterschaft 2030 ist.
Der Präsident des afrikanischen Fußball-Verbands CAF, Patrice Motsepe, wehrt sich jetzt nach dem aberkannten Afrika-Cup-Titel für den Senegal gegen Korruptionsvorwürfe. „Kein einziges Land in Afrika wird in irgendeiner Weise bevorzugt oder günstiger behandelt als ein anderes Land auf dem Kontinent“, sagte er in einer Video-Botschaft auf der Website des Verbandes. Man nehme es „sehr, sehr ernst“, was beim Endspiel in Marokko passiert sei.
Nach zwei nicht nachvollziehbaren Entscheidungen des Schiedsrichters, bei gleicher Ausgangslage keinen Elfmeter für Senegal, aber einen Elfmeter Minuten später für Marokko, in der Schlussphase, war auf dem Platz und auf den Rängen Chaos ausgebrochen, Senegals Mannschaft hatte aus Protest fast geschlossen den Platz verlassen und war erst später wieder zurückgekehrt. Das Berufungsgericht des CAF hatte dem Senegal deshalb nach dem sportlichen Sieg gegen Marokko (1:0 nach Verlängerung) den Titel aberkannt und dem Afrika-Cup-Gastgeber Marokko zugesprochen. Zuvor gab es nur Geldstrafen und Sperren gegen Spieler und Funktionäre beider Mannschaften. Erst nach einem Protest von Marokko jetzt die Aberkennung des Titels für Senegal.
Die Regierung des Senegal hat nach der Entscheidung nun Korruptionsermittlungen gegen den CAF gefordert und angekündigt, vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS zu ziehen. „Wir werden die Entscheidung respektieren, die auf höchster Ebene getroffen wird“, sagte Motsepe.
Der Verbandschef sieht derweil in den Vorkommnissen rund um das Finale im Januar einen Rückschritt für den afrikanischen Fußball. „Was in diesem Finale passiert ist, untergräbt die gute Arbeit, die die CAF über viele Jahre geleistet hat, um Integrität, Respekt, ethische Standards, gute Führung sowie die Glaubwürdigkeit der Ergebnisse unserer Fußballspiele zu gewährleisten“, meinte Motsepe, ohne darauf hinzuweisen, dass er selbst jetzt einen großen Anteil an dem „Rückschritt“ hat.
„Dass es weiterhin Verdächtigungen gibt, liegt daran, dass es sich um ein Altlastenproblem handelt“, versucht er die Schuld von sich zu weisen, „etwas, das schon seit vielen, vielen Jahren besteht und mit dem wir uns kontinuierlich auseinandersetzen, weil es von entscheidender Bedeutung ist“.
Das Berufungsgericht begründete die Entscheidung mit Artikel 82 des Afrika-Cup-Reglements. Demnach habe das senegalesische Team durch das Verlassen des Platzes die Partie gegen Marokko aufgegeben. Nach Artikel 84 sei das Ergebnis mit 3:0 für Marokko zu werten. Dabei wurde nicht berücksichtigt, dass nur ein Teil des Teams den Platz verlassen hatte und die Mannschaft ohne Bedingungen zurückgekehrt sei.
Ob und wann der Fußballverband des Senegals den Pokal zurückgibt ist offen, die Medaillen werden die Spieler sicherlich behalten.
Joachim Abel