Senegal steht vor einer schweren Schuldenkrise. Der IWF schätzte die Staatsverschuldung Ende 2024 auf 132 % des BIP. Die Kosten für die Schuldenbetreuung werden in diesem Jahr auf 5,5 Billionen CFA-Francs (etwa 9,1 Milliarden US-Dollar) geschätzt, was einen wachsenden Anteil der Steuereinnahmen auffrisst.
Eine Umstrukturierung der Schulden scheint notwendig, aber der senegalesische Premierminister Ousmane Sonko hat diese Option ausgeschlossen. Stattdessen hat die Regierung die Schließung von 19 Behörden angekündigt, um schätzungsweise 55 Milliarden CFA-Francs (etwa 97,95 Millionen US-Dollar) über drei Jahre zu sparen.
Wie kam es zur Schuldenkrise Senegals?
Im September 2024 gab die neue Regierung bekannt, dass sie Unregelmäßigkeiten in den Schuldenberichten festgestellt habe. Als Reaktion darauf fror der IWF im Oktober 2024 seine Kreditlinie im Wert von 1,8 Milliarden US-Dollar für Senegal ein.
Einige Monate später, im Februar 2025, stellte Senegals Rechnungshof, der oberste Rechnungsprüfer für öffentliche Finanzen, fest, dass das Defizit zwischen 2019 und 2023 um 5,6 % des BIP pro Jahr unterschätzt worden war. Infolgedessen stieg das Schulden-BIP-Verhältnis von 74 % auf 100 %. Zwischen März 2025 und Oktober 2025 blieb das IWF-Programm trotz mehrerer Besuche im Land auf Eis.
Die Regierung veröffentlichte später einen überarbeiteten Haushalt für 2025 und einen mittelfristigen Ausblick. Anschließend wurde die Schulden auf 120 % des BIP geschätzt. Einen Monat später wurde ein IWF-Besuch um zwei Wochen verlängert. Die Spannungen zwischen dem IWF und der senegalesischen Regierung wurden öffentlich. Als direkte Folge brachen Staatsanleihen zusammen. Unter Druck versprach Premierminister Ousmane Sonko, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um einen Zahlungsausfall zu vermeiden.
Worauf basiert Senegals derzeitige Strategie?
Die erste ist die massive Budgetkonsolidierung in Rekordzeit. Von einem primären Defizit von etwa 14 % des BIP im Jahr 2024 auf einen Überschuss von 2 %. Dies erfordert in der Regel einen großen Gewinn aus dem Verkauf natürlicher Ressourcen.
Dazu gehört auch, dass die wichtigsten Akteure, darunter der IWF, zustimmen, dass Senegals Schulden nachhaltig sind und in diesen schwierigen Zeiten weiterhin Kredite gewähren.
Um das aktuelle Defizit zu decken und die zwischen 2026 und 2028 fälligen Schulden zurückzuzahlen, muss die Regierung 15 Billionen CFA-Francs (25 Milliarden US-Dollar) aufbringen.
Der IWF ist die am besten geeignete Institution, um Krisenländer zu unterstützen. Seine Programme sind für diese Situationen konzipiert. Sie eröffnen weitere günstige Kredite und bieten zinslose Kredite an einkommensschwache Länder an.
Nach seinen eigenen Regeln kann der IWF aber ein Programm nur genehmigen, wenn seine Schuldenanalyse zeigt, dass die Schulden nachhaltig sind.
Wenn der IWF keinen Kredit geben kann, könnten andere eingreifen. Zum Beispiel von aufstrebenden Kreditgebern wie den Vereinigten Arabischen Emiraten, die Geld trotz Zweifeln an einer Zahlungsfähigkeit zu geben bereit sind.. Aber diese Unterstützung hat seinen Preis. Je riskanter der Kredit, desto härter die Bedingungen, einschließlich schmerzhafter Privatisierungen.
Eine dritte Option wäre, sich auf regionale Finanzmärkte zu verlassen. Im Jahr 2025 liehen Regionalbanken Senegal über 4 Billionen CFA-Francs (6,7 Milliarden US-Dollar). Sie könnten das weiterhin tun, aber wahrscheinlich nicht so sehr. Wenn sie das tun, würden sie die Kreditvergabe an den Privatsektor einschränken und vor allem den Bankensektor einem erhöhten Risiko aussetzen.
Wie kann Senegal mit Gläubigern verhandeln, ohne zukünftige Investitionen zu beeinträchtigen?
Ein weiterer Weg ist die Verhandlung mit Gläubigern im Rahmen des Gemeinsamen Rahmens der G20. Dieses Verfahren wurde entwickelt, um die Schulden der Entwicklungsländer gegenüber bilateralen Gläubigern zu reduzieren. Auch diese Option ist nicht einfach.
Die internationale Gemeinschaft sollte Senegal als Test möglicher Zusammenarbeit betrachten. China und Frankreich halten zusammen etwa 70 % der bilateralen Verschuldung Senegals. Sie sollten ihre Unterstützung klar zeigen, indem sie sich verpflichten, die Schulden so schnell wie möglich zu begleichen. China war zu solchen Entschuldungen jedoch bisher nie bereit. China wird Gegenleistungen, etwa die Übernahme von Erzquelle, verlangen.
Internationale Institutionen sollten mit neuen Krediten einspringen. Dies würde Senegal helfen, trotz seines begrenzten Zugangs zu internationalen Märkten weiter zu investieren. Schließlich sollten zur Minimierung der wirtschaftlichen Kosten Schulden, die in CFA-Francs denominiert sind, vom Restrukturierungsumfang ausgeschlossen werden, um eine Destabilisierung der regionalen Währungszone zu vermeiden.
Folgen für Westafrika
In jedem Fall müssen die Lehren aus dieser Krise über Senegal hinausgehen. Schuldentransparenz und Bankenaufsicht in der gesamten Region müssen gestärkt werden. Wie die europäischen Länder während der griechischen Krise 2010 wird die Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion reformiert und zusätzliche Sicherheitsnetze aufbauen müssen.
Die Erfahrung zeigt, dass das Verzögern eines Zahlungsausfalls kostspielig ist. Es ist besser, frühzeitig zu verhandeln, um die Auswirkungen auf Exporte und Wachstum zu verringern. Beide Optionen – Rückzahlung und Umstrukturierung – sind herausfordernd und können der Wirtschaft ernsthaften Schaden zufügen.
Joachim Abel