Wenn man durch die Straßen der senegalesischen Städte geht, bemerkt man sie fast sofort: Jungs in abgetragener Kleidung, die Plastikdosen oder Blechschalen umklammern, zwischen Autos und Fußgängern hindurchschlängeln, um nach Kleingeld oder Essen zu fragen. Sie sind oft barfuß, allein und hungrig. Diese Kinder werden als Talibes bezeichnet.
Jungen im Alter von etwa 5 bis 15 Jahren, bekannt als talibe-Kinder, leben in Daaras, Schulen, die von Marabouts betrieben werden.
Human Rights Watch erklärt, viele Marabouts, „die als de facto Wächter dienen, führen gewissenhaft die wichtige Tradition fort, diesen Jungs eine religiöse und moralische Erziehung zu bieten.“
Viele der Schulen sind jedoch unreguliert.
„Tausende sogenannte Lehrer nutzen den Religionsunterricht als Tarnung für die wirtschaftliche Ausbeutung der von ihnen betreuten Kinder, ohne Angst vor einer Untersuchung oder Strafverfolgung“, heißt es im Bericht von Human Rights Watch. Die Talibés dieser ‚Schulen‘ verbringen einen Großteil ihrer Tage damit, auf der Straße um Essen zu betteln und unter verschiedenen Menschenrechtsverletzungen zu leiden. Sie erleben regelmäßig Schläge, unzureichende Nahrung und medizinische Versorgung sowie Vernachlässigung.
Die Kinder haben nur einen Ausgang, nämlich auch ein Marabout zu werden.
Die Initiative Maison des Talibés begann als echte Basisinitiative. Sie knüpfte Beziehungen zu lokalen Marabouts, gewann deren Vertrauen und bekam die Möglichkeit, die Daaras zu betreten um den Talibés zu helfen. Die Kinder wurden medizinisch versorgt und man begann, den Kindern Englisch beizubringen, sowie sie mit Nahrung zu versorgen.
Mit Englischkenntnissen ausgestattet, erweiterte die Organisation ihre Tätigkeit indem sie mit internationalen Besuchern und Unternehmen in Saint-Louis sprach, um finanzielle Unterstützung zu erbitten und Freiwillige zu rekrutieren.
Ein Bericht von Human Rights Watch aus dem Jahr 2019 dokumentierte 16 Taliboe-Todesfälle durch Missbrauch und Vernachlässigung sowie Dutzende von Fällen von Schlägen, Vernachlässigung, sexuellem Missbrauch sowie der Fesselung und Inhaftierung in Daeras. Schätzungsweise 50.000 junge Jungen leben im Jahr 2017 als Talibés im gesamten Senegal.
Obwohl Familien ihre Kinder oft freiwillig in Daaras schicken, wird das System weithin als Menschenhandel angesehen. Viele Talibés in Senegal stammen aus verarmten Gemeinden in Guinea-Bissau und anderen Nachbarländern.
Im Laufe der Jahre hat sich das Daara-System von dem, was es früher war, weiterentwickelt. Historisch lebten die Talibes überwiegend in ländlichen Gebieten, wo sie auf Bauernhöfen arbeiteten, um Lebensmittel zu erhalten oder Spenden von Dorfbewohnern erhielten. Mit der Urbanisierung hat sich das System in Ausbeutung und Betteln verwandelt.
Am 1. Januar 2026 eröffnete Maison des Talibés sein erstes physisches Gebäude, um die Talibés zu unterstützen, indem sie ihnen einen sicheren Raum außerhalb der Daara bieten, um Fähigkeiten zu erlernen, Kurse zu besuchen, zu essen, zu duschen und medizinische Versorgung zu erhalten.
Die Eröffnungsfeier des Zentrums zog über 100 Talibes an. Die Organisation bediene insgesamt noch viel mehr und soll ihre Reichweite in Zukunft weiter auszubauen.
Cheikh Tidiane Diallo, ein Parfüm- und Seifenhersteller aus Marokko, war einer der ersten Schüler von Maison des Talibés. Diallo sagte, er schreibe der Organisation zu, dass sie ihm die Fähigkeiten und Kontakte gegeben haben, um nach Marokko zu ziehen und seine Karriere zu verfolgen.
PM IPS-UN-Bericht