Reisanbau und marode Straßen in der Casamance

Fährt man von Ziguinchor in östlich Richtung Cap Skirring oder nordöstlich über den Fluss Casamance in Richtung Abene, fährt man über Straßen in einem desolaten Zustand. Was für den Reisanbau gut ist, ist für die Straßen schlecht: die Regenzeit.

Die Ebenen sind durchzogen von zahlreichen Flüssen, die in der Regenzeit die Landschaft zu einem einzigen flachen See werden lassen. Die Landschaft ist nämlich eben und so verteilt sich dass Wasser über große Gebiete in denen dann Reis angebaut wird. Der Reisanbau in der Casamance ist ein wichtiger Bestandteil der lokalen Kultur und Wirtschaft und trägt zu einem großen Teil zur Versorgung der Bevölkerung des Senegal bei. Reis wird hier seit Jahrhunderten kultiviert. Der Anbau ist überwiegend bäuerlich strukturiert. Das sieht man an den Raingrenzen, die sich durch das Anbaugebiet ziehen.

Der hohe Wasserstand, der von Ende Juni bis in den Oktober anhält, führt oft zur Überflutung der Straßen und zur Aufweichung des Straßenuntergrunds. Oft bricht dann der Asphalt nach unter durch und es entstehen große Löcher in der Straßendecke. Die Autos und LKW fahren dann über die überfluteten Straßen und vergrößern die Löcher. Vergrößert wird das Problem dadurch, dass nur wenige Straßen auf Dämmen verlaufen und so weitestgehend geschützt sind.

Nach jeder Regenzeit wurden die Straßen repariert. Die Löcher verfüllt und neuer Asphalt aufgetragen. An einigen Stellen wird die Straße Jahr für Jahr komplett erneuert. Seit aber die Regierung in Dakar kein Geld mehr hat, unterbleibt die Reparatur. Davon konnte ich mich bei meiner dreiwöchigen Reise durch die Casamance überzeugen. Mitte Mai sind alle Löcher noch da. Die Autofahrt gleicht einem Slalom um die Löcher herum. Für die 100 km von Ziguinchor nach Abene benötigt man mit dem Auto rund zwei Stunden.

Da es keine Reparatur vor der nächsten Regenzeit gibt, kann man sich vorstellen, wie die Straßen nach der nächsten Regenzeit aussehen. Was bleibt dann von dem Asphalt eigentlich noch übrig. Statt einer Reparatur hilft dann nur noch ein Neubau inclusive neuem Untergrund (dann möglichst auf einem Damm). Aber ob dazu dann Geld vorhanden ist?

Der Senegal investiert sehr viel Geld in die Infrastruktur rund um die Hauptstadt Dakar. Neuer Flughafen, neue Eisenbahnverbindung von Dakar zum Flughafen, neue Schnellstraßen (mit Maut), neue Omnibuslinien, neue Fußballstadien. In Dakar selbst gibt es einen Bauboom, von dem Deutschland nur träumt. Aber in der Casamance wird gespart. Nicht umsonst gab es dort schon Unabhängigkeitsbestrebungen.

Die Landschaft ist unheimlich schön, an der Küste kann man auch als Europäer gut leben, aber wenn die Regierung nicht bald in die Infrastruktur der Casamance investiert, werden noch mehr Menschen in Richtung Dakar oder ins Ausland abwandern. Auch vor neuen Separationsbewegungen sei gewarnt. Beides kann die Regierung in Dakar nicht wollen.

Joachim Abel

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