Mit Dekret Nr. 2026-1128 vom 22. Mai 2026 entließ der Präsident der Republik, Seine Exzellenz Bassirou Diomaye Faye, Ousmane Sonko als Premierminister.
Diese Entscheidung beendet auch die Amtszeiten aller Minister und Staatssekretäre, die der Regierung angehörten. Laut Dekret sind die ausscheidenden Regierungsmitglieder mit der Führung der laufenden Regierungsgeschäfte bis zur Bildung einer neuen Regierung betraut.
Diese Entscheidung markiert einen Wendepunkt in der senegalesischen Politik, da Ousmane Sonko das Amt des Premierministers seit April 2024 unter Präsident Bassirou Diomaye Faye innehatte.
Ein Zeitplan für die Ernennung eines neuen Premierministers wurde zunächst nicht mitgeteilt.
Mit der Auflösung der Regierung greift Faye in das politische Bündnis ein, das ihn 2024 an die Staatsspitze gebracht hatte. Sonko war damals die prägende Figur von Pastef, konnte aber wegen seiner juristischen Lage nicht selbst zur Präsidentschaftswahl antreten. Faye gewann die Wahl mit Unterstützung Sonkos und ernannte ihn anschließend zum Regierungschef.
Die Entscheidung ist die Spitze einer Eskalation, welche nach Monaten wachsender Spannungen zwischen zwei früheren Verbündeten nun ihr Ende der Zusammenarbeit findet.
Der Sturz Sonkos folgte unmittelbar auf eine Reihe politischer Konsultationen im Präsidentenpalast. Faye empfing am 21. Mai mehrere frühere Premierminister, darunter Cheikh Aguibou Soumaré, Abdoul Mbaye, Aminata Touré und Amadou Ba.
Die Gespräche wurden als Teil eines nationalen Dialogs beschrieben. Sie führten Persönlichkeiten zusammen, die aus unterschiedlichen politischen Lagern stammen und unter früheren Präsidenten Regierungsverantwortung trugen. Amadou Ba war 2024 Kandidat der damaligen Regierungskoalition und zählt inzwischen zur Opposition. Aminata Touré gehörte einst zum Lager Macky Salls und wurde später zu einer Kritikerin.
In Dakar wurden die Konsultationen auch als Signal für eine breitere politische Neuordnung gelesen. Reform des Wahlrechts, Spannungen innerhalb der Exekutive und die Neuvermessung des Parteiensystems standen bereits vor der Entlassung im Raum.
Schon vor dem Kabinettsbruch hatten sich Differenzen über Tempo, Stil und Machtverteilung verstärkt. Der Streit über den Umgang mit Vertretern des alten Regimes, über Posten im Staatsapparat, über die Schuldenpolitik und über eine Wahlrechtsreform, die auch Sonkos politische Zukunft berührte, wird möglicherweise durch Neuwahlen entschieden.
Joachim Abel