Senegals Präsident Bassirou Diomaye Faye hat Spannungen mit Premierminister Ousmane Sonko eingeräumt und dessen Verbleib im Amt ausdrücklich an sein Vertrauen gebunden. Am 2. Mai äußerte sich Faye in einer großen Pressebefragung im Präsidentenpalast. Zugleich bestritt er einen politischen Pakt mit Sonko und warnte die Regierungspartei Pastef vor einem Verlust ihrer politischen Linie. Sonko reagierte einen Tag später mit einem Appell an die Jugendorganisation seiner Partei, persönliche Machtkämpfe nicht über das gemeinsame Projekt zu stellen.
Faye erklärte, es gebe Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und Sonko, diese würden aber gesteuert. „Für den Moment genießt er weiterhin mein Vertrauen als Premierminister“, sagte der Präsident.
Faye wies außerdem die Darstellung zurück, zwischen ihm und Sonko bestehe ein besonderer Pakt. Von einem „Pakt“ zu sprechen, sei ein Mangel an Respekt gegenüber den Regeln der Partei und gegenüber den Senegalesen. Niemand sei unverzichtbar, sagte der Präsident. Nur das politische Projekt stehe über allem.
Einer Warnung richtete Faye auch an die eigene Partei: „Wenn Pastef nicht aufpasst und die Richtung nicht wieder geraderückt, läuft die Partei Gefahr, einzusacken“. Der Satz traf eine Partei, die seit dem Machtwechsel im Zentrum der senegalesischen Regierung steht und zugleich mit inneren Erwartungen, Loyalitäten und Positionskämpfen umgehen muss.
In derselben Pressebefragung äußerte sich Faye auch zur möglichen Kandidatur seines Vorgängers Macky Sall für das Amt des UN-Generalsekretärs. Senegal habe dazu eine neutrale Haltung eingenommen, sagte der Präsident, weil das Land von Beginn an nicht einbezogen worden sei, auch nicht durch Macky Sall selbst.
Joachim Abel