Meine Reise durch die Casamance – Teil 2

Sechs Tage war ich jetzt bei der Verwandtschaft meiner Frau väterlicherseits. Sie wohnen sehr bescheiden in einer rund 150 qm großen „Hütte“. Gemauerte Wände, aber Blechdach. Das heißt das Gebäude tagsüber unheimlich auf. Jeder Tag über 35 Grad, gefühlt, wie der Wetterbericht schreibt, bis zu 45 Grad. Da spielt sich das Leben nur draußen ab.

Morgens um 7 Uhr aufstehen, die Erwachsenen, außer den „Omas“ gehen zur Arbeit und die Kinder in die Schule. Gegessen wurde auch draußen, morgens auf dem Boden der Veranda, später unter schattigen Bäumen (Mangobäume und Dattelpalmen). Die Mitglieder der Großfamilie (mit den Kindern über 15 Personen, wobei ich die Verwandtschaftsverhältnisse bis heute nicht durchschaut habe) haben aus großen Schüsseln gegessen. Meine Frau und ich bekamen unsere eigene Schüssel und zwei Löffel. Andere haben auch schon mal mit den Händen gegessen. Oft waren über 20 Personen dabei. Auch abends auf der Veranda kamen immer viele Leute dazu. Viele sprachen dabei gut Englisch, so dass auch ich mich gut unterhalten konnte. Englisch ist dort die erste Fremdsprache und wird überall schon in den Grundschulen gelehrt.

Für meine Frau und mich räumte die Familie ein Zimmer. Klein, aber es reichte zum Schlafen. Nur… es gab kein Bett. Nur eine dünne Schaumstoffunterlage mit einem Laken. Das war dann für mich schon ganz schön hart.

Tagsüber habe ich dann meine Arbeit gemacht, was aber länger dauerte, da das Internet nicht sehr gut war. Danach war ich dann mit Familienmitgliedern in der Umgebung unterwegs und habe sehr viel gesehen.

Am Sonntag waren wir zu einem Fußballspiel der ersten Liga zwischen Casa Sport und US Gorree. Tabellen-Siebter gegen Tabellen-Ditter. Den Trainer von Gorree hatte ich ja vorher auf dem Schiff kennengelernt. Aber hier konnte ich nicht wieder mit ihm sprechen, denn das Spielfeld war von Polizisten für Zuschauer abgeriegelt und eine Presseakkreditierung hatte ich ja nicht. Das Spiel endete 0 : 0 und beide Mannschaften haben es in insgesamt 98 Minuten nicht einmal geschafft, auf ein Tor zu schießen. Die Torhüter brauchten nur Rückgaben weiterzuspielen und Eckbälle abzufangen. Aber auf dem Spielfeld war viel los. Das Zuschauen hat sich auf jeden Fall gelohnt.

An einem anderen Tag war ich tief in einem Wald. Dort zeigte man mir, wie man aus von Dattelpalmen Datteln erntet und dann Dattelwein herstellt. Fertiger Dattelwein ist sehr süß und schmeckt vorzüglich.

Die Familien dort haben zumeist große Gärten in denen Süßkartoffel, Tomaten und Kräuter angebaut werden. Dazu bauen sie vor den Regenzeiten Reis an. Der Selbstversorgungsgrad des Senegal beim Reis beträgt gut 25 %. Angebaut wird er vorwiegend von Kleinbauern.

Wie ausgeprägt der Reisanbau in der Casamance ist, konnten wir gestern auf der Taxifahrt von Ziguinchor nach Cap Skirring sehen. Fast an der ganzen Strecke lagen große, zum Teil ausgetrocknete Seen und Feuchtgebiete. Bald, mit Beginn der Regenzeit im Juni/Juli wird hier wieder Reis angebaut. In den höher gelegenen Gebieten erntet man Getreide, Gemüse, Salat, Cashewnüsse, Mangos, Zitrusfrüchte und Palmöl. Hier sei angemerkt, dass die Mangos, Zitrusfrüchte und auch die kleinen ortstypischen Bananen viel süßer sind alm man es von den Früchten in deutschen Supermärkten kennt.

Joachim Abel

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