Westafrika ein Drehkreuz für den Kokainschmuggel?

Der Kokainhandel in Westafrika nimmt zu und befeuert die Korruption in einigen Ländern, manchmal sogar bis auf die höchsten Regierungsebenen, warnt ein Bericht der Global Initiative Against Transnational Organised Crime (GI-TOC) diese Woche. Mindestens 30 Prozent des für Europa bestimmten Kokains passieren inzwischen die Region, während zunehmende Mengen der Droge auch lokal konsumiert werden, unter anderem in Form von Crack.

Die steigende Kokainproduktion in Lateinamerika und die steigende Nachfrage in Europa haben in den letzten Jahren mehr Lieferungen über Westafrika angetrieben. Davor war der Hauptumschlagplatz auf den Kapverdischen Inseln.

Die Beschlagnahmen sind seit 2019 stetig gestiegen und erreichten 2025 laut von der Organisation erhobenen Daten rund 30 Tonnen. Die Behörden haben außerdem rekordverdächtige Abfangaktionen verzeichnet, darunter bis zu 10 Tonnen, die auf einem einzelnen Boot beschlagnahmt wurden, was laut Bericht nicht vor 2019 stattgefunden hat.

Korruption entlang der Strecke

Korruption unter Vermittlern kann die Wahrscheinlichkeit verringern, dass Sendungen unterwegs beschlagnahmt werden. „In einigen Ländern sind das politische Akteure, manchmal auf höchster Ebene des Staates. In anderen Fällen sind es Beamte, die an Häfen oder Flughäfen arbeiten“, sagte die Autorin Lucia Bird. Der Kokainmarkt ist laut Bericht zu „einer attraktiven Einkommensquelle für Beamte und politische Eliten“ geworden, wobei die Beteiligung einiger Beamter auch am Menschenhandel zunimmt.

Im Januar 2025 rief Sierra Leone seinen Botschafter in Guinea zurück, nachdem Koffer mit Kokain in Fahrzeugen der Botschaft entdeckt wurden. Seit 2021 haben mehrere öffentliche Skandale gezeigt, dass auch Minister in Guinea-Bissau in den Kokainhandel verwickelt sind.

Verbreitung von Crack-Kokain

Der zunehmende Kokainhandel treibt ebenfalls den wachsenden Konsum in Westafrika an, wobei der Konsum in mehreren Ländern, darunter Senegal, zunimmt und Crack-Kokain immer häufiger wird.

Die Region „dient nicht mehr nur als Korridor nach Europa. Es wird zunehmend als Plattform für Lagerung, Umverpackung und Vertrieb in globalen Kokain-Lieferketten genutzt“, sagte Mouhamadou Kane, ein weiterer Autor des Berichts. Der Seehandel spielt in diesem System eine wichtige Rolle. Kokain kann in aus der Region exportierten Waren versteckt werden, darunter Cashewnüsse, Kakao, Holz und andere Handelsprodukte.

Da Korruption auch bei der Polizei stark verbreitet ist, ist die Aufdeckung von Verbrechen beim Kokainschmuggel eher mal einen Zufall denn systematischer Strafverfolgung geschuldet.

Joachim Abel

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