Afrika findet im Westen nicht statt – das nutzt China politisch und wirtschaftlich aus

Weder auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos noch auf der Münchner Sicherheitskonferenz in der letzten Woche waren die wirtschaftlichen- oder die politischen Probleme dieses großen Kontinents ein Thema. Wenn überhaupt, kamen sie am Rande zur Diskussion. Amerika und Europa haben Afrika, trotz gutem Wirtschaftswachstum, aus den Augen verloren. Russland ist überwiegend nur militärisch in den Staaten mit Militärdiktatur aktiv. Diesen Freiraum nutzt jetzt China.

Wirtschaftlich mit günstigen Krediten und großen Projekten schon länger in fast allen Staaten Afrikas aktiv, nutzt es diese wirtschaftliche Macht jetzt auch politisch um Staaten eng an China zu binden.

Zurzeit gibt es von Cabo Delgado in Mosambik über El Fasher im Sudan, Goma in der DRK bis Äthiopien, Libyen, Somalia, Burkina Faso, Mali und Niger über 50 bewaffnete Konflikte in Afrika, etwa 40 % der weltweiten Gesamtzahl, und 45 Millionen Menschen sind Vertriebene. Kriminalität und eingeschränkte Strafverfolgung verschärfen diese Instabilität.

Der Hauptgarant für Sicherheit ist ein fähiger Staat, daher ist die Konsolidierung der Staatsautorität entscheidend. Die Afrikanische Union (AU) – also die afrikanischen Führungspersönlichkeiten – trägt nicht dazu beitragen, die Lücke zu schließen, die durch die sinkende Unterstützung für Friedenssicherungen des Westens entstand.

China füllt, zumindest teilweise, das Vakuum, das die USA und Europa in Afrika hinterlassen haben, unter anderem in der Zusammenarbeit zwischen Militär und Polizei.

Laut dem Stockholm International Peace Research Institute hat China kürzlich Russland als führender Anbieter großer neuer Waffen in Afrika überholt. Es zeigt, dass Russland zwischen 2015 und 2019 satte 47 % aller wichtigen neuen Waffen an Afrika lieferte und China 16 %. Doch zwischen 2020 und 2024 überholte China Russland mit 21 %, während Russland auf 19 % fiel. Der Grund für Russlands Rückzug war der Fokus auf die Versorgung des eigenen Krieges gegen die Ukraine sowie auf Waffensanktionen wegen dieses Konflikts.

Die afrikanische Sichtweise auf internationale Beziehungen ist natürlich viel näher an der chinesischen, weil sie eine Sichtweise der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten hat und der Regierung die Möglichkeit gibt, zu tun, was sie will. Sie fördern keine Demokratien und lassen Diktatoren Diktatoren sein. Das politische Ziel ist ein Stabilisierung der Wirtschaft wegen. Nur in stabile Staaten kann man Waren exportieren, nur in sie kann man investieren.

Joachim Abel

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