Senegals größte Universität hat die Studentenvereinigungen suspendiert, nachdem gewaltsame Demonstrationen wegen unbezahlter Zuschüsse (in Deutschland: Barfög) zum Tod eines Studenten führten. Die Familie des Opfers hat die Justiz aufgefordert, die Umstände seines Todes zu klären, nachdem ein in den sozialen Medien kursierender Autopsiebericht mehrere Verletzungen aufgezeigt hat.
Universitätstore und Wohnhäuser der Cheikh Anta Diop Universität (UCAD) in der Hauptstadt Dakar sind seit dem Tod eines Medizinstudenten im zweiten Jahr unter unklaren Umständen bei einem Polizeieinsatz geschlossen geblieben.
Der Student, Abdoulaye Ba, starb am Montag nach Verletzungen, die er während eines Polizeieinsatzes auf dem UCAD-Campus erlitten hatte.
Der akademische Rat der UCAD erklärte am späten Donnerstag, dass er von dieser Tragödie „tief betroffen“ sei und aus Sicherheitsgründen beschlossen habe, „vorsorglich und bis auf Weiteres die Studierendenvereinigungen zu verbieten“.
Videos, die in den sozialen Medien veröffentlicht wurden, zeigten Chaosszenen, bei denen staatliche Sicherheitskräfte das Universitätsgelände betraten und Tränengas in Gebäude abfeuerten, während Studenten mit Steinen warfen.
In einem Video, das von der französischen Nachrichtenagentur AFP authentifiziert wurde, sieht man, wie die Polizei einen schreienden Mann mit Schlagstöcken verprügelt.
Ein Autopsiebericht des Opfers, der in den Medien kursierte, beschreibt mehrere Verletzungen, darunter Blutungen in einer Lunge und der linken Niere, Blutungen im Gehirn durch Gehirnerschütterung und eine gerissene Milz.
Unbezahlte Zuschüsse
Die Regierung hat Abdoulaye Bas Tod als „Tragödie“ bezeichnet und „Polizeibrutalität“ eingeräumt.
Doch auch Senegals Innenminister Mouhamadou Bamba Cisse verteidigte die polizeiliche Intervention und warf den Studierenden vor, versucht zu haben, die Campusinfrastruktur zu beschädigen.
Ein Studentenvereinigungskollektiv erklärte, es mache Senegals Präsidenten, Premierminister und andere Regierungsbeamte für die tödliche Gewalt verantwortlich.
Senegalesische Studierende mobilisieren seit Jahren für Stipendien, wobei Demonstrationen manchmal zu Zusammenstößen mit der Polizei führen.
Der akademische Kalender der Universitäten des Landes wird häufig durch Streiks von Studierenden und Dozenten gestört. Dann streicht der Staat als „Vergeltung“ die Stipendien.
Joachim Abel