Keine politischen Dynastien mehr – Afrika ist kein Erbe

In Afrika verstärkt ein gefährliches Muster: Alternde Führungspersönlichkeiten – einst gefeiert als Befreier, Revolutionäre oder Technokraten – formen stillschweigend afrikanische Staaten in Familienunternehmen um.

Die Formel ist schmerzlich vertraut: Verlängere deine Amtszeit, schwäche Opposition, erhöhe Loyalisten – und positioniere dann einen Sohn, ein Geschwister oder einen vertrauten Verwandten nahe genug, um den Thron zu erben, wenn der Vorhang fällt.

Das ist keine demokratische Nachfolge. Das ist politisches Erbe.

Uganda: Wenn der Staat beginnt, einem Haushalt zu ähneln

Uganda ist eine der klarsten Warnungen. Nach Jahrzehnten unter festgefahrener Herrschaft ist die Grenze zwischen Staat und Familie verschwommen. Mächtige Verwandte bekleiden strategische Positionen, während der Sohn des Präsidenten – eine prominente Militärpersönlichkeit – weithin als Thronfolger angesehen wird. Was eigentlich eine Republik sein sollte, ähnelt zunehmend einem privaten Anwesen, das sich auf den Generationswechsel vorbereitet.

Solche Regelungen höhlen Institutionen aus. Sie senden eine gefährliche Botschaft: Die Loyalität zu einem Nachnamen überwiegt die Loyalität zur Verfassung. Bürger werden zu Zuschauern reduziert, die die Choreografie der Macht beobachten, statt zu Teilnehmern, die die Zukunft ihres Landes gestalten.

Eine Ansteckung, die sich über den Kontinent ausbreitet

Uganda ist nicht allein. In Teilen Westafrikas zeigen sich besorgniserregende Anzeichen – Familienmitglieder übernehmen still und leise einflussreiche Rollen, Insider werden als Standby-Nachfolger positioniert, während alternde Staatsoberhäupter die Kontrolle festigen. Die Sprache ist immer Stabilität. Die Realität ist, dass Nachfolgeplanung hinter verschlossenen Türen stattfindet.

Und doch warnt die Geschichte vor der Illusion der Beständigkeit. Wer könnte den dramatischen Sturz der Gbagbos in Westafrika vergessen – eine deutliche Erinnerung daran, dass verankerte Herrschaft über Nacht zerfallen kann – bevor eine beständige technokratische Hand eingriff, um den Staat zu stabilisieren? Politische Dominanz, egal wie sicher sie scheint, kann mit erstaunlicher Geschwindigkeit aufgelöst werden.

In Äquatorialguinea hat einer der am längsten amtierenden Herrscher Afrikas seinen Sohn jahrelang für die Regierungsmaschinerie vorbereitet und die nationale Führung in eine Familiendiskussion statt in einen demokratischen Prozess verwandelt.

Die Angst, die dynastische Politik antreibt

Hinter diesen Maßnahmen steckt eine gemeinsame Sorge: Angst vor Strafverfolgung, Angst vor politischer Rache, Angst vor Bedeutungslosigkeit. Einige Führungspersönlichkeiten glauben, dass die Einsetzung von Verwandten sie nach dem Ausscheiden aus dem Amt schützen wird. Doch die Geschichte beweist immer wieder, dass die dynastische Nachfolge keinen dauerhaften Schutz bietet. Regime, die auf Persönlichkeiten statt auf Institutionen aufgebaut sind, überleben selten ihre Gründer.

Eine Generation, die Schweigen ablehnt

Afrika ist der jüngste Kontinent der Erde. Die Jugend ist informiert, vernetzt und zunehmend unwillig, Führung als erbliches Privileg zu akzeptieren. Sie verlangen funktionierende Institutionen, rechenschaftspflichtige Regierungsführung und Chancen, die auf Leistung basieren – nicht auf der Nähe zur Macht.

Afrika gehört seinem Volk – nicht politischen Familien

Das ist ein entscheidender Moment. Die Zivilgesellschaft, Journalisten, Glaubensführer und junge Bürger müssen darauf bestehen, dass Führung ein öffentliches Vertrauen ist – kein Familienerbstück. Afrika braucht keine neuen Monarchien, die sich als Republiken tarnen. Es braucht Verfassungen, die zählen, glaubwürdige Wahlen und Führungspersönlichkeiten, die mutig genug sind, zurückzutreten, ohne Verwandte als Hüter ihres Vermächtnisses einzusetzen.

Henriqueta Inacia Da Silva

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