Senegal unter Schuldenlast: Wie hohe Staatsschulden das wirtschaftliche Fundament des Landes gefährden

Der Senegal steht vor einer der größten finanzpolitischen Herausforderungen seiner jüngeren Geschichte. Nach neuen Prüfungen und der Offenlegung bislang nicht ausgewiesener Verpflichtungen ist die Staatsverschuldung des westafrikanischen Landes deutlich höher als lange angenommen. Ende 2024 dürfte sie – je nach Berechnungsmethode – zwischen 120 und über 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen. Für ein Land mit begrenztem fiskalischem Spielraum ist das ein riskantes Niveau.

Ein Schuldenberg mit vielen Gläubigern

Die Gläubigerstruktur des Senegals ist komplex. Etwa drei Viertel der Schulden entfallen auf ausländische Gläubiger, der Rest wird im Inland gehalten. Besonders wichtig sind dabei vier Gruppen:

Multilaterale Institutionen wie die Weltbank, der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Afrikanische Entwicklungsbank stellen rund ein Viertel der gesamten Staatsschulden. Diese Kredite gelten als relativ günstig, sind jedoch an Reformauflagen gebunden.

Bilaterale Gläubigerstaaten, darunter Frankreich und zunehmend China, machen etwa 15 Prozent aus. Gerade chinesische Kredite stehen international in der Kritik, da sie oft projektgebunden, intransparent und schwer umstrukturierbar sind.

Ein wachsender Teil der Schulden stammt von den internationalen Kapitalmärkten. Eurobonds und kommerzielle Kredite machen inzwischen rund 30 Prozent aus. Diese Verbindlichkeiten sind besonders teuer, da sie hohe Zinsen tragen und empfindlich auf politische und wirtschaftliche Unsicherheiten reagieren.

Hinzu kommen inländische Banken und Investoren, die ebenfalls etwa 30 Prozent der Staatsschulden halten. Senegalesische Banken sind stark in Staatsanleihen investiert – eine enge Verflechtung, die das gesamte Finanzsystem anfällig macht.

Versteckte Schulden und Vertrauensverlust

Besonders problematisch ist, dass die neue Regierung 2024 Milliarden an bislang nicht ausgewiesenen Schulden aufgedeckt hat, darunter Verpflichtungen staatlicher Unternehmen und kurzfristige Finanzierungsinstrumente. Diese Enthüllungen haben das Vertrauen internationaler Investoren erschüttert und die Risikoprämien für neue Kredite erhöht.

Für den Senegal bedeutet das: Neue Schulden werden teurer, Umschuldungen schwieriger und der Handlungsspielraum des Staates enger.

Risiken für Wirtschaft und Gesellschaft

Die hohe Verschuldung hat konkrete Folgen. Ein wachsender Teil des Staatshaushalts fließt in den Schuldendienst, statt in Bildung, Gesundheit oder Infrastruktur. Gleichzeitig steigt der Druck, Subventionen abzubauen und Steuern zu erhöhen – Maßnahmen, die sozial und politisch heikel sind.

Besonders kritisch ist die Abhängigkeit von kurzfristigen Marktfinanzierungen. Gerät der Senegal in Zahlungsschwierigkeiten oder verliert weiter an Vertrauen, könnte der Zugang zu den Kapitalmärkten abrupt versiegen. Ein solcher Schock würde nicht nur den Staat, sondern auch das Bankensystem und die Realwirtschaft treffen.

Ein Balanceakt mit dem IWF

Die Regierung setzt nun auf engere Zusammenarbeit mit dem IWF und anderen multilateralen Partnern. Ziel ist es, Transparenz herzustellen, Reformen einzuleiten und eine offene Schuldenkrise zu vermeiden. Doch der Spielraum ist begrenzt: Zu harte Sparmaßnahmen könnten das Wachstum abwürgen, zu zögerliche Reformen das Vertrauen der Gläubiger weiter untergraben.

Fazit

Der Senegal steht an einem Wendepunkt. Die hohe Staatsverschuldung ist nicht nur ein finanztechnisches Problem, sondern eine strukturelle Belastung für die Zukunft des Landes. Ob es gelingt, den Schuldenberg zu stabilisieren, ohne soziale und wirtschaftliche Verwerfungen auszulösen, wird entscheidend dafür sein, ob der Senegal seinen Ruf als vergleichsweise stabiles Land Westafrikas bewahren kann.

Grafik von ChatGPT

Joachim Abel

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