Frankreich sucht nach seiner Stellung in Afrika

Fünfzehn Jahre nachdem Frankreich eine neue Beziehung zu Afrika versprochen hatte, kämpft Paris immer noch damit, Kolonialismus abzulehnen aber Einfluss auszuüben. Partnerschaft gleichberechtigter Menschen  – basierend auf Respekt statt Arroganz oder Dominanz. Aber wie soll das gehen. Frankreich hat in Afrika einen schlechten Ruf.

„Zu arrogant, zu selbstsicher, hat Frankreich die antifranzösische Welle nicht kommen sehen“, sagt Christophe Boisbouvier. Sein Buch Françafrique Is Dead, Long Live Africa-France untersucht den Zusammenbruch des alten französischen Beziehungsmodells zum Kontinent.

Jahrzehntelang pflegte Paris nach der Unabhängigkeit afrikanischer Länder privilegierte Beziehungen zu befreundeten Führern und versuchte, seine strategischen Interessen zu schützen – manchmal durch militärische Intervention.

Das System, bekannt als Françafrique, wurde allmählich zum Synonym für ein neokoloniales Muster französischen Einflusses und Patronage.

Militärischer Rückzug

Aber die selbstbewusster werdenden Staaten wollten einen andere, selbstbestimmte Politik. Französische Truppen wurden gezwungen, sich aus Mali, Burkina Faso und Niger zurückzuziehen, wo sich die Militärregierungen von Paris abgewandt und sich Moskau zugewandt haben. Frankreich hat zudem durch Verhandlungen die ständigen Militärstationierungen in Tschad, Senegal und Elfenbeinküste beendet.

Ein Teil des Schadens geht laut Boisbouvier auf die Rede des ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy in Dakar im Jahr 2007 zurück, als Sarkozy sagte, Afrikaner seien „nicht ausreichend in die Geschichte eingedrungen“.

„Dieser Ausdruck hat den französisch-afrikanischen Beziehungen großen Schaden zugefügt, weil viele Afrikaner darin – ein schreckliches Wort – ‚Arroganz‘ sahen“, sagt Boisbouvier.

Sogar Präsident Emmanuel Macron hat manchmal „eine Überlegenheitshaltung, die afrikanische Länder nicht verstanden haben“ gezeigt und zunehmend nicht akzeptieren will.

Die afrikanischen Staaten, die zu ehemaligen französischen Kolonien gehörten, werden nicht nur politisch selbständiger sondern auch wirtschaftlich. Sie emanzipieren sich vom Einfluss Frankreichs. Sie sehen sich als „gleichberechtig“ gegenüber Frankreich.

Boisbouvier nennt den Afrika-Frankreich-Gipfel im Mai in Nairobi als Beweis für das Potenzial für eine erneute wirtschaftliche Zusammenarbeit, unter anderem mit großen afrikanischen Investoren wie dem nigerianischen Milliardär Aliko Dangote.

Französisches Militär

Lange Zeit sicherte das französische Militär die Sicherheit in Zentral- und Westafrika. Aber zunehmende Übergriffe von Dschihadisten und die Machtergreifung durch Militärdiktaturen im Niger, In Burkina Faso und Mali beendeten diese Sicherheit. Frankreich musste diese Länder verlassen. Nicht nur das Militär wurde abgezogen sondern auch politische und wirtschaftliche Unterstützung war nunmehr unerwünscht.

Die drei Militärdiktaturen wandten sich Moskau zu, mit fatalen Folgen. Die drei Länder verloren weitgehend ihre Selbständigkeit, sind sicherheitspolitisch und wirtschaftlich von Russland abhängig. Russland beutet heute weitgehend die Ressourcen der Länder aus. Die Länder verarmen. Die Militärregierungen lassen ihre Bürger dafür büßen.

Kann Frankreich etwas anderes bieten?

Es besteht keine Frage, dass Frankreich Afrika ganz aufgibt, argumentiert Boisbouvier, verweist auf Möglichkeiten für wirtschaftliche Zusammenarbeit und sagt, eine auf Gleichheit basierende Beziehung könnte mit aufstrebenden Mächten wie Nigeria, Kenia und Südafrika wieder aufgebaut werden.

Der Senegal bietet ein mögliches Modell für einen postkolonialen Wandel in den Beziehungen.

Präsident Bassirou Diomaye Faye, der 2024 mit einer souveränitätsorientierten Plattform gewählt wurde, zwang Frankreich im Juli 2025 zum Rückzug von seinen letzten beiden Militärbasen in Dakar. Doch Senegal hat Raum für wirtschaftliche Zusammenarbeit gelassen, was zeigt, dass Frankreich Partner bleiben kann, ohne seine frühere militärische Dominanz zu bewahren.

Moskaus Vorteile schwinden, Vorwürfe von Missbräuchen durch russische Streitkräfte und deren Partner in Mali, darunter die Tötung von Hunderten Zivilisten in Moura im Jahr 2022 und deren wirtschaftliche Ausbeutung der Länder, alarmieren andere Staaten und lassen sie auf Distanz zu Russland gehen.

Was Frankreich und die anderen europäischen Länder bieten, ist nichts weniger als Demokratie und Menschenrechte und Beziehungen auf Augenhöhe. Da ist vor allem auch die Europäische Union ein verlässlicher Partner.

Joachim Abel

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