Deutschland baut Sicherheitskooperation mit Senegal aus

Dschihadistische Angriffe in Mali rücken näher an Senegals Grenze heran. Deutschland hilft dem Senegal  mit acht Millionen Euro für Sicherheitsprojekte, unterstützt den Aufbau einer Drohnen-Einheit und schickt im November Fallschirmjäger zu einer Krisenübung.
Nachdem Frankreich alle Soldaten aus dem Senegal abgezogen hat,  werden andere Partner wichtiger
Die Neuordnung der Sicherheitskooperation vollzieht sich nach dem Ende der dauerhaften französischen Militärpräsenz im Senegal. Frankreich gab seine letzten Stützpunkte im Sommer 2025 nach rund 65 Jahren auf. Aber der Senegal hat nur eine kleine Armee mit wenig Militärtechnik. So bleibt Paris dennoch der wichtigste traditionelle Sicherheitspartner des Landes vor allem in der Beratung und Ausbildung. Auch Spanien verfügt über enge Beziehungen zu den senegalesischen Sicherheitskräften. Ein 2025 erneuertes bilaterales Abkommen umfasst maritime Sicherheit, Cybersicherheit und Katastrophenschutz.

Großbritannien schloss 2024 ebenfalls ein neues Abkommen über militärische Zusammenarbeit. Im Zentrum stehen Luft- und Seestreitkräfte sowie der Kampf gegen Terrorismus, Piraterie, Drogenschmuggel und illegale Fischerei.

Deutschland reagiert darauf bislang nicht mit Waffenlieferungen, sondern vor allem mit Ausbildung, Beratung und technischer Unterstützung. Die Bundeswehr unterhält dafür eine technische Beratergruppe im Senegal.

Die geplante Drohnen-Einheit ist nicht als Lieferung bewaffneter Kampfdrohnen beschrieben. Welche Fluggeräte und Fähigkeiten konkret aufgebaut werden sollen, wird nicht näher ausgewiesen.

Die militärische Zusammenarbeit wird im November sichtbar. Dann soll die Bundeswehr im Senegal die Übung „Schneller Adler 2026“ abhalten.

Dabei geht es nicht in erster Linie um die Verteidigung Senegals, sondern um deutsche Fähigkeiten zur Krisenreaktion. Geübt werden soll, Menschen aus weit entfernten Krisengebieten zu evakuieren oder Geiseln zu befreien.

An der Übung sollen Fallschirmjäger der Saarlandbrigade teilnehmen. Die Operation ist Teil des deutschen nationalen Risiko- und Krisenreaktionsmanagements, für das das Auswärtige Amt politisch und das Operative Führungskommando der Bundeswehr militärisch zuständig sind.

Dakar hatte bereits während der deutschen Einsätze in Mali und Niger eine wichtige logistische Funktion. Für den Rückzug aus Niger richtete die Bundeswehr 2024 vorübergehend einen Luftstützpunkt in Dakar ein. Seit Abschluss des Abzugs wird er nicht mehr betrieben, steht formal aber weiterhin unter Kontrolle der Bundeswehr.

Dschihadistische Gewalt rückt näher an Senegal

Die Sicherheitslage an Senegals Ostgrenze hat sich gleichzeitig verschärft. Besonders im benachbarten Mali weitete die Al-Qaida-nahe Koalition Jama’at Nusrat al-Islam wal-Muslimin, kurz JNIM, ihre Aktivitäten seit 2025 weit nach Westen aus.

Ein Schwerpunkt liegt rund um die malische Stadt Kayes. Sie befindet sich nur etwa 95 Kilometer von der senegalesischen Grenze entfernt.

Die Region ist auch wirtschaftlich hochsensibel. Etwa 95 Prozent des von Mali benötigten Treibstoffs werden über Senegal eingeführt. Ein zentraler Transportweg führt über die Straße RN1 durch Kayes nach Bamako.

Dschihadisten griffen dort wiederholt Lastwagen an, die Treibstoff nach Mali transportierten. Fahrzeuge wurden zerstört. Von Fahrern anderer Waren wurden Abgaben verlangt oder Ladungen beschlagnahmt. Auch die malische Zollstation Diboli, nur rund einen Kilometer von der senegalesischen Grenze und der Stadt Kidira entfernt, wurde angegriffen.

Senegal reagierte bereits im Sommer 2025 mit einer deutlichen Verstärkung von Militär, Gendarmerie und Grenzschutz im Osten.

Bislang ist es den dschihadistischen Gruppen nicht gelungen, ihren Konflikt dauerhaft auf senegalesisches Staatsgebiet zu tragen.

EU investiert zusätzlich 25 Millionen Euro in Sicherheit

Deutschland steht mit seinem Engagement nicht allein. Die Europäische Union hat ihre sicherheitspolitische Unterstützung für Senegal ebenfalls ausgeweitet.

Seit Juli 2025 finanziert die EU über die Europäische Friedensfazilität nicht-letale Ausrüstung im Umfang von zehn Millionen Euro. Sie soll insbesondere die Überwachung von Land- und Flussgrenzen sowie Aufklärung und Schutz von Sicherheitskräften verbessern.

Im Mai 2026 beschloss die EU weitere 15 Millionen Euro für die senegalesische Marine. Über drei Jahre sollen damit nicht-letale Ausrüstung, Marineoperationen und Ausbildung unterstützt werden.

Insgesamt sind damit allein über diese beiden EU-Maßnahmen 25 Millionen Euro vorgesehen. Ziel ist sowohl der Schutz vor einem Übergreifen der Sahel-Konflikte als auch eine bessere Kontrolle der Seegebiete vor Westafrika.

Senegal ist gemeinsam mit Cabo Verde, Gambia und Guinea-Bissau für einen Abschnitt der regionalen Sicherheitsarchitektur im Golf von Guinea verantwortlich. Dort geht es unter anderem um Piraterie, Schmuggel und illegale Fischerei.

Daneben nimmt Senegal regelmäßig an der unter amerikanischer und marokkanischer Führung durchgeführten Großübung „African Lion“ teil. An „African Lion 2026“ waren im Mai mehr als 10.000 Soldatinnen und Soldaten aus über 40 Ländern beteiligt. Die Bundeswehr nahm in diesem Jahr allerdings nicht teil. 

Senegal gewinnt nach den Umbrüchen im Sahel an Gewicht

Senegal verfügt über rund 14.150 aktive Soldaten sowie etwa 5.000 Angehörige der Gendarmerie und weiterer paramilitärischer Einheiten. Mit rund 11.900 Soldaten stellt das Heer den größten Teil der Streitkräfte. Marine und Luftwaffe sind mit etwa 1.500 beziehungsweise 750 Angehörigen deutlich kleiner.

Das Militär gilt im regionalen Vergleich als stark professionalisiert und politisch zurückhaltend. Anders als Mali, Burkina Faso, Niger oder Guinea wurde Senegal seit seiner Unabhängigkeit nie von einer Militärjunta regiert.

Mit dem Austritt Malis, Nigers und Burkina Fasos aus der ECOWAS hat sich zugleich das politische Gewicht Senegals innerhalb der westafrikanischen Gemeinschaft erhöht. Dakar unterhält auch zu den drei Militärregierungen weiterhin Kontakte.

Deutschland und Senegal bezeichnen ihre Beziehungen als eng. Bei Präsident Bassirou Diomaye Fayes Besuch in Berlin im Juni 2026 standen die Sicherheitslage im Sahel und eine Vertiefung der Wirtschaftsbeziehungen ausdrücklich auf der Agenda. Trotz dieser politischen Nähe blieb die direkte militärische Zusammenarbeit bislang vergleichsweise begrenzt. Mit den drei laufenden Ausstattungsprojekten und „Schneller Adler 2026“ bekommt sie nun einen deutlich praktischeren Schwerpunkt.

Joachim Abel

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