Senegal verfügt über ein beträchtliches landwirtschaftliches Potenzial, nutzt es aber nicht

Jeder im Senegal kennt die Situation wenn man im Supermarkt oder im Laden um die Ecke Reis kaufen will, kommt er in der Regel aus Indien, Bangladesch, Pakistan und weiteren Ländern Ostasiens. Man fragt sich 1. warum importiert man Reis aus Ländern, in denen Menschen selbst hungern und 2. warum nutzt man nicht senegalesischen Reis und gibt es den überhaupt ausreichend.

Ich war jetzt wieder in der Casamance, kurz vor der Regenzeit, und überall sieht man die Menschen ihre Reisfelder vorzubereiten. Wie steht es also mit dem Reisanbau und der Reisversorgung im Senegal?

Die gesamte Ackerfläche des Senegal beträgt geschätzt rund. 3,8 Millionen Hektar (etwa 19 % der Gesamtfläche des Landes). Das senegalesische Institut für Agrarforschung (ISRA) wies kürzlich darauf hin, dass ein Großteil dieses Potenzials noch nicht optimal genutzt wird.

Die aktuell bewirtschaftete Fläche schwankt je nach Jahr und Regenzeit zwischen 2,3 und 2,5 Millionen Hektar. Hoch ist das Potenzial für Bewässerungsland: Von der gesamten Ackerfläche sind schätzungsweise 400.000 Hektar für die Bewässerung geeignet (mit Wassermanagement) (hauptsächlich konzentriert im Senegal-Flusstal und im Anambé-Becken).

Die wichtigsten Anbaugebiete Senegals

Senegal ist in sechs große agrarökologische Zonen unterteilt, von denen vier das größte landwirtschaftliche Potenzial bergen:

Das Erdnussbecken (Kaolack, Kaffrine, Fatick, Diourbel, Thiès): Dies ist historisch gesehen die flächenmäßig größte Agrarzone (ca. 70 % der Ackerfläche). Hier werden hauptsächlich Erdnüsse, Hirse und Augenbohnen angebaut.

Das Senegal-Flusstal (Saint-Louis, Matam, Bakel): Dies ist die strategisch wichtigste Zone für das Wassermanagement. Dank der hydro-landwirtschaftlichen Infrastruktur sind diese sehr fruchtbaren Schwemmebenen das Zentrum für bewässerten Reisanbau und den Anbau von Gemüse außerhalb der Saison (Zwiebeln, Verarbeitungstomaten, Süßkartoffeln).

Die Casamance (Ziguinchor, Sédhiou, Kolda): Im Süden gelegen, ist dies die regenreichste Region des Landes (reichliche Niederschläge). Es eignet sich hervorragend für den Anbau von Bergreis, Obst (Mangos, Zitrusfrüchte, Bananen), Mais und Cashewnüssen.

Die Region Niayes (Küstenstreifen von Dakar bis Saint-Louis): Obwohl schmaler, profitiert sie dank des Meeres von einem kühlen Mikroklima. Sie ist das Zentrum des Gartenbaus und der Marktgärtnerei Senegals (über 60 % der nationalen Gemüseproduktion: Salat, Kohl, Karotten und Kirschtomaten für den Export).

Wie viele Tonnen Reis kann Senegal produzieren?

Das maximale Potenzial ist deutlich höher als die aktuellen Ergebnisse, da große Flächen noch nicht optimal genutzt werden oder über keine Bewässerungsinfrastruktur verfügen.

Anhand der Zahlen vergangener Anbausaisons (z. B. der Saison 2024/25) und der Ziele der Ernährungssouveränität lässt sich Folgendes ermitteln: Senegal produziert Reis und kann kurz- bis mittelfristig eine Ernährungssouveränität erreichen.

Die Produktion schwankt in der Regel zwischen 950.000 und 1.100.000 Tonnen Rohreis, abhängig von den Niederschlägen und dem Infrastrukturstand im Senegal-Flusstal und der Anambé-Region. Bei vollständiger Nutzung der 400.000 Hektar bewässerbaren Landes und einer doppelten jährlichen Ernte (Winter- und Zwischenernte) kann Senegal problemlos über 2.000.000 Tonnen ernten. Dies würde den gesamten nationalen Bedarf an weißem Reis decken.

Nicht herausfinden konnte ich, inwieweit der kleinbäuerliche Reisanbau in der Casamance in diese Rechnung einfließt, da die Produktion oft nur der Eigenversorgung bzw. der Versorgung eines Dorfes oder einer Gemeinschaft dient.

Was aber auch festzuhalten ist: importierter Reis ist viel zu billig. Hier ist der Staat gefordert, die eigene Landwirtschaft zu fördern und gleichzeitig durch moderate Steuern den Import zu verteuern.

Joachim Abel

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